Freitag, 18. Januar 2013

Saratower Alltag im Januar

25 bis 30 E-Mails und andere Briefe pro Tag, teilweise umfangreich, häufig in Russisch. Das ist das derzeit übliche Tagespensum an meinem Schreibtisch, zwischen Telefonanrufen und Besprechungen. Aber alles irgendwie nichts zum Berichten. Es ist Zeit der Häusersegnungen (20 C+M+B 13), die bei uns die Pfarrer und Kapläne nach Möglichkeit selbst vornehmen, um in Kontakt auch mit den Familienmitgliedern zu kommen, die keinen Bezug zur Kirche haben. Auch ich darf ein wenig mithelfen, aber viel Platz ist nicht dafür. Gestern war Pater Tomasz aus Marx mit zwei Schwestern im Dorf Raskatowo unterwegs. Eigentlich sind es nur drei-vier Familien, die dort zur Pfarrgemeinde in Marx gehören, bzw. die zumindest zum Religionsunterricht kommen. Bei "14 Wohnung" hat er aufgehört zu zählen, sagen die Schwestern. Es steckt ein Gemisch von ungepflegter Frömmigkeit und Aberglaube dahinter, wenn Leute plötzlich den Priester bitten, ihr Haus "auszuweihen". Schwester Galja erzählte, wie sie einen Jungen auf der Straße traf, der früher zum Unterricht kam: "Sollen wir nicht auch zu Euch kommen?" - "Da muss ich meinen Vater fragen." Ein paar Minuten später: "Mein Vater fragt, ob es was kostet." - "Kostenlos." Wieder ein paar Minuten später: "Mein Vater sagt: Dann können sie kommen."
Das Foto stammt noch vom Besuch der Kinder am 7. Januar: Auf dem Weg von meiner Wohnung zur Kirche geht es ein paar Schritte durch einen Park...