Sonntag, 10. Februar 2013

Von froh bis lustig

Ein normaler Sonntag in Saratow: Überfüllte Kirche, frohe Lieder und Gesichter im Gottesdienst, Gespräche nach der Messe, u.a. mit einem Ehepaar, das heute 200 km auf spiegelglatter Straße gefahren war, um erstmals in einer katholischen Kirche nachzufragen, wie man Katholiken beerdigt. Die Großmutter läge im Sterben... Die üblichen Gruppenstunden schlossen sich in den Räumen unseres Gemeindezentrums an. Ich war zum Bibelteilen unserer afrikanischen Studenten eingeladen, (s. Foto). "Fasching" (werden manche fragen) ist in einer 0,08% Diaspora irgendwie kein Thema, selbst für die Ausländer hier. Kirchliche Feiertage - ja, kein Problem. Vielleicht liegt der Unterschied im fehlenden -, bzw. andererseits klaren Bekenntnischarakter der Feiern? Vielleicht.
Während der Vermeldungen erzählte der Pfarrer heute folgende Begebenheit: Freitag vor einer Woche hatte er alle seine Papiere verloren (Reisepass, Personalausweis,  russische Aufenthaltsgenehmigung, Führerschein, Autopapiere, Kreditkarte u.v.m.) Sehr, sehr unangenehm im Ausland! In frommer Meinung betete er zum heiligen Antonius, dass der ihm doch bis Samstag die Sachen finden möge, denn Sonntag müsse er mit dem Auto zur Außenstation. Natürlich hatte er dem heiligen Antonius, wie man das in solchen Fällen macht, auch etwas versprochen. Und wer den Pfarrer kennt, kann sich auch das noch lebhaft vorstellen: "Wenn Du mir die Papiere bis Samstag nicht findest, wende ich mich an einen anderen Heiligen", schloss er sein Gebet. Der Samstag verging. Die Papiere blieben fort. Die Polizei nahm ein erstes Protokoll auf. Unser Pfarrer begann zu anderen Heiligen zu beten. Montag rief ein junger Mann an, er hätte die Papiere gefunden. Als er sie brachte und auf den Finderlohn verzichtete, fragte der Pfarrer nach seinem Namen, um wenigstens etwas für ihn zu beten. Der junge Mann hieß ... Anton.