Sonntag, 31. März 2013

Dies ist die Nacht ...

Mit dem Exultet der Osternacht, begann vielerorts das Osterfest der Christen, ... (Hier bei uns muss man dazusagen, das Osterfest der Christen des lateinischen Ritus. Die orthodoxe und andere Ostkirchen feiern Ostern in diesem Jahr mehr als einen ganzen Monat später.) ln unserer Kathedrale (etwa linke Bildmitte, vor dem hell erleuchteten Gebäude) begannen wir die Liturgie gestern Abend um 20.00 Uhr. Vielen war das  reichlich spät, wie sich zwei Stunden später erwies, als sie versuchten, noch irgend eines der letzten öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen. Ein eigenes Auto hat bei uns kaum jemand. Abends kommt man in Saratow (830.000 Einwohner) schwer nach Hause. Da unser Pfarrer gebeten hatte, ab Karfreitag die Gottesdienste in der sonst priesterlosen Gemeinde in Kamyshin zu feiern, blieb das Üben mit den Ministranten, aber auch "der letzte Schwung Osterbeichten" an mir hängen. An solchen Tagen beneide ich immer die Pfarrer und freue mich, dass ich "die Vertretung" sein darf. In der nächtlichen Osterliturgie konzelebrierte Pfarrer Doleschal, der am Dienstag nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland wieder zu uns gekommen war. Außerdem hatte ich fast zehn in- und ausländische Ministranten. Eine Seltenheit in Saratow. Beim Gratulieren nach der Messe, im Raum vor der Kirche, sagte eine afrikanische Studentin: "Alles wie bei uns zu Hause, nur viel zu kurz." 

Mit der Feier der Osternacht gingen die Gottesdienste der drei heiligen Tage in der Saratower Kathedrale für mich zu Ende. Heute ist nun schon Sonntag. Ich löse mein Versprechen ein und schreibe wieder im Blog. Gar nicht so einfach... Den Tag verbringe ich in der Pfarrgemeinde in Marx. Hier durfte ich einem Mädchen, von dem ich Anfang Januar im Blog geschrieben hatte, einen Rosenkranz von Papst Benedikt XVI. überreichen, den Herr Kardinal Meisner aus Köln vor ein paar Tagen für das Kind geschickt hatte. Auch ihre Eltern und ihre kleine Schwester gehörten heute zu den fröhlichen Gottesdienstbesuchern. Am Abend geht es in der Kirche weiter mit einer gemeinsamen Vesper und einen kleinen Programm, so, wie es in Marx seit vielen Jahren Tradition ist. Nun aber gibt es erst einmal ein gutes Mittagessen im Kloster, nach der langen und bewegenden Fastenzeit.

Ein kurzer Spaziergang ins "Haus der Stille" gehörte zum Nachmittag. Küchen und Bäder sind so gut wie fertig. Am Mittwoch treffe ich mich mit dem Chef vom Bau. Nur noch Kleinigkeiten sind zu erledigen, bzw. zu ändern. Ah, nein, das Treppenhausgeländer ist noch ein ziemlicher Brocken. Wir hatten das Material komplett bezahlt und warteten wenige Tage später auf den Einbau.  Da verunglückte der Auftragnehmer tödlich im Auto. Zwar fand sich jemand, der seinen Betrieb weiterführen wird. Von unserer Zahlung will er aber nichts wissen. (Sein Vorgänger war uns von der evangelischen Gemeinde empfohlen worden. Das ließ mich auf einen vorläufigen Beleg am Zahltag verzichten.)

Nach der heutigen Vesper, zu der ungewöhnlich viele Gläubige gekommen waren, wurde im Kellergeschoss der Pfarrkirche ein biblisches Laienspiel über die Emmausjünger aufgeführt. Die jüngste Darstellerin war 11 Jahre alt, die älteste so um die 80. Mit einfachen Mittel erreichte Schwester Veronika, die das Ganze ausgearbeitet hatte, wunderbare Effekte. Mir gefiel zum Beispiel der Moment, in dem Jesus nach dem Brotbrechen für die beiden Jünger unsichtbar wurde. (Foto nebenan.) Weil viele zu Hause niemanden haben, der mit ihnen Ostern feiert, blieben sie, deckten einen Tisch mit Brot, Kuchen und Tee und sangen und spielten gemeinsam bis zum Abend.

Damit habe ich mich nun also aus der Fastenzeit zurückgemeldet. Der Informationsumfang wird nicht jeden Tag dem heutigen entsprechen.

P.S. Ab heute haben wir an der Wolga wieder nur noch zwei Stunden Unterschied zur mitteleuropäischen (Sommer-)Zeit, statt der bisher drei Stunden im Winter.

Allen ein gnadenreiches, frohes Osterfest!