Sonntag, 26. Mai 2013

Kirchweihe ins Guinnessbuch der Rekorde?

Die Sache ist so: Ende des 19. Jahrhunderts beschloss die polnische Gemeinde in Tambow, eine eigene Kirche zu bauen. Die erste heilige Messe in der neuen Kirche wurde nachweislich 1903 gefeiert. Über ein Datum der damaligen Kirchweihe fehlt jedes Zeugnis. Nach dem jahrzehntelangen Missbrauch der Kirche als Kugellagerfabrik, wurde sie nach Zusammenbruch der Sowjetunion an die Tambower Katholiken zurückgegeben, in verwüstetem Zustand. Stück für Stück wurde die Kirche wieder aufgebaut: Innen, die Türme, die Kirchturmspitzen und die Kreuze darauf, die Glocken, der Engel zwischen den Türmen, ... 
In den Jahren des Wiederaufbaus wurden die Pfarrer (Steyler Missionare) mehrmals gewechselt. Und irgendwann rutschte die Frage weg, wann die restaurierte Kirche denn nun geweiht werden könne. (Mir selbst schien, dass noch auf einen neuen Altar gewartet wurde. Aber es vergingen Jahre!) Pater Thomas aus Indien, der jetzige Pfarrer, griff das Thema endlich auf und schlug vor, die trotz aller Verspätung kirchenrechtlich geforderte Kirchweihe mit dem 110-jährigen Jubiläum der ersten heiligen Messe zu verbinden. So kam die Angelegenheit heute auf den Punkt, nach - vielleicht - 110 Jahren.
Ein kleines Gemeindefest im Pfarrzentrum schloss sich an den Gottesdienst an, besser gesagt: ein gutes Mittagessen, dessen Gerichte die Leute zu Hause vorbereitet und mitgebracht hatten. Der beachtliche Teil afrikanischer Studenten in der Gemeinde, erfreute zum Schluss alle Anwesenden mit temperamentvollen Liedern.
Zum Orgelkonzert um 17.00 Uhr blieb ich nicht, weil der Weg nach Saratow noch etwas über 5 Stunden in Anspruch nehmen würde. Halb drei verließ ich die Pfarrei. Und halb acht am Abend war ich wieder zu Hause.