Sonntag, 16. Juni 2013

"Es geht seinen Gang."

So klang eine der üblichen nichtssagenden DDR-Antworten auf die Frage "Wie geht’s?" Ganz nichtssagend war sie dann aber doch auch nicht. "Es geht." "Normal." "Es geht, wie es gehen muss." "Alles in Ordnung." - Je nach Betonung, konnte man noch das eine oder andere heraushören. Es gibt ein Buch mit diesem Titel, und es gibt ein Würfelspiel mit dem gleichen Namen. 
Auch ich benutze die Worte heute, um den Alltag zu umschreiben. Es scheint nicht interessant, vom Büro und der Arbeit der letzten Tage zu berichten. Die Sonntagsmesse in der Kathedrale war "eine ganz normale, ohne Besonderheiten" (Zitat Ministrant). Und dass wir draußen tiefblauen Himmel und einen heißen Wind bei über 30 Grad in der totenstillen Großstadt haben, weil alle am Fluss sind, zum Baden, scheint fast eine unpassende Bemerkung zu sein, im Blick auf alles, was in letzter Zeit über das Wetter und seine Folgen in Deutschland berichtet wird. Mit Sorge verfolgen wir manche Meldung, auch wegen des langen "danach", bevor es wieder seinen Gang gehen kann.
Als Bild hier eins vom Wegesrand an der Straße nach Wolgograd. In Deutschland würde man eventuell schreiben: "Schützt die Natur". Und auch bei uns gibt es ein gewöhnliches "Müll abladen verboten!" Hier aber steht an einem Masten: "Wirf keinen Müll weg! Entweihe nicht die Erde! Der Mensch sieht's nicht. Aber Gott sieht alles. Und schrecklich wird das Gericht vor seinen Augen sein!"