Dienstag, 16. Juli 2013

1300 km suedlich von Marx ...

Ein 2 Stunden raubender  Stau vor Rostow, eine 80 km lange Baustelle vor Krasnodar, ungeduldige Manoever der Autofahrer und feuchte Hitze, die das Meer in der Nahe ahnen liess, waren Merkmale des gestrigen Tages. Unterwegs bog ich zu einer Ruine aus hellen Steinen ab, die ich jahrelang im Vorbeifahren nur von weitem sah. Nun wollte ich wissen, ob es eine Kirche war oder nicht. Schwester Helena und ihre Novizinnen, die mich auf der Fahrt begleiten, entdeckten sogar Spuren von Gebet in den Mauern. Die einfachen Leute aus dem verfallenden Dorf in der Naehe haben die Ruine von Schutt geraeumt und sie mit Papierikonen und Plastikblumen geschmueckt. So etwas sah ich zum ersten Mal.
 
In Krasnodar traf ich mich bereits mit Pater Pawel, dem Pfarrer von Pyatigorsk. Es war sehr wichtig und es war gut, dass wir uns trafen. Er ist bereits wieder auf dem Heimweg, "nur 6 Stunden Fahrt", wie sein Navi anzeigte.
Der Pfarrer in Krasnodar ist auch gleichzeitig mein Bischofsvikar fuer die drei Sueddekanate. So gab es anschliessend genug Gespraechsstoff bis zum Mittag.
Unsere Kirche hier in der Stadt stand einst am Standtrand. Damals, 1998, sagte mir der Pfarrer, dass er von Plaenen wuesste, und dass die Kirche eines Tages "mitten drin" stehen wuerde. Ich zweifelte.

Heute sehe ich, dass die Stadtplaner tatsaechlich vor 15 Jahren schon wussten, was hier einmal stehen soll: ein riesiges Neubauviertel, ein "Schlaf-Rayon", wie die Leute hier zu solchen Hochhaussiedlungen sagen.