Freitag, 16. August 2013

Ozernoje - eine neue Erfahrung

Waehrend andere noch bis zu drei Tagen unterwegs sein werden, habe ich nur noch 5 Stunden bis Saratow vor mir. Das katholische Jugendtreffen in Kasachstan ging gestern Mittag zu Ende. Etwa 200 Jugendliche aus Kasachstan,100 aus ganz Russland und 10 aus Deutschland haben daran teilgenommen. Wir hatten uns in Ozernoje getroffen, einem Dorf im Norden Kasachstans, das Papst Johannes Paul II. einmal "nationales Heiligtum Kasachstans" genannt hatte. Nach dem 2. Weltkrieg hatte es hier ein "Fischwunder" gegeben: Die hungernde Bevoelkerung schrieb das ploetzliche Vorhandensein einer riesigen Zahl von Fischen im See am Dorfrand dem Rosenkranzgebet und der Gottesmutter zu. Hier und jetzt ist nicht der Ort, alles ausfuehrlich zu erzaehlen. Es war eine interessante, neue Erfahrung, die wir in den letzten Tagen machen durften. Praktisch hatten wir, die katholischen Teilnehmer aus Russland, uns der alljaehrlichen Jugendwallfahrt Kasachstans angeschlossen. Es war die fuenfzehnte. Das Treffen war vom Gebet gepraegt, sicher fuer viele auch vom fehlenden Internetzugang, von einem 12 km langen Fussweg auf den einzigen Huegel in der bis an die Horizonte reichenden Steppe (Foto), von Millionen Sternen am dunklen Nachthimmel, von neuen Freundschaften u.v.m.
Die Dorfkirche von Ozernoje, das ganze Jahr ueber zu gross fuer die im Dorf verbliebenen Katholiken, platzte in den vergangenen Tagen aus allen Naethen. Sie war das Zentrum des Treffens. Und obwohl schon tagsueber sehr viel (ich habe mich gewundert, wie die Jugendlichen das "aushalten") gebetet wurde, hatten sich nicht wenige in die Listen fuer stilles Gebet in der Nacht eingetragen. Gibt es einen Unterschied zwischen den Jugendlichen aus Kasachstan und denen aus Russland? Oder liegt der Unterschied mehr bei denen, die mit den Jugendlichen arbeiten? Beides - denke ich. - Uebrigens, fuer "Marx-Kenner": In Ozernoje haengen die gleichen Kirchenleuchter wie in Marx. Nachdem die Pfarrkirche in Marx vor 20 Jahren fertig war, hatten wir zwei Leuchten von unseren guten Freunden Norbert und Regina Laubstein aus Berlin uebrig. Da kam zufaellig der Pfarrer von Ozernoje in Marx vorbei, der heutige Erzbischof von Astana, Tomasz Peta, und nahm sie mit.
Wie schon weiter oben angedeutet, war es auch ein Naturerlebnis. Flache Steppe, so weit das Auge schaut. Himmel, Sonne, (auch Regen), ... Erst wenn man es selbst sieht, versteht man, wovon jene schwaermen, die in Kasachstan gelebt haben. Was aber wird aus der katholischen Kirche dort werden? Ich habe Doerfer gesehen, die in den letzten Jahren ausgestoben sind, einfach so: Erst hat man die Schulen geschlossen und zum Schluss den Strom abgeschaltet. Die Leute ziehen weg. Die Kirchengemeinden sind klein. Es ist nicht mehr "das" Nordkasachstan, in dem noch vor 20 Jahren kirchliches Leben bluehte. - Wahr ist, dass Kirche nicht unbedingt nur dort sein sollte, wo viele Menschen leben. Zeugnis, Kontemplation, aushalten bei den Aermsten, ... Es gibt viele Gruende, die ein Bleiben rechtfertigen. Die aufrichtige Frage nach dem Willen Gottes muss ausschlaggebend bleiben.
Soweit vom Zwischenstopp aus Moskau.