Montag, 16. September 2013

Besuch in Uljanowsk

Schon gestern Abend kehrte ich aus Uljanowsk heim. Das völlig überfüllte Haus (allein über 100 Erwachsene zur Sonntagsmesse im Wohnzimmer und in den Fluren) brachte das Thema Kirchbau wie von selbst auf den Tisch. Wie in Syzran, so waren auch hier manche von weit her gekommen. Es gibt drei Außenstationen, die mehr als 100 km von der Stadt entfernt sind. Vor einem Jahr hatte ich hier nach dem Gottesdienst ein erschütterndes Gespräch mit einer Jugendlichen, die um das Leben ihrer Mutter bangte: Die Ärzte hatten der Schwangeren "ins Gewissen" geredet: Höchstens eine wird bei der Geburt überleben, sie oder das Kind. Eine Abtreibung sei unumgänglich. Gestern traf ich Mutter und Kind - gesund! Ich bin überzeugt, dass das Gebet vieler geholfen hat. Auch die Jugendliche traf ich. Sie fragte, ob ich mich noch an sie erinnere, weil wir vor einem Jahr eigentlich nur nebeneinander auf der Kirchenbank gesessen und gesprochen hatten, während wir nach vorn, auf das Kreuz über dem Altar schauten. 
Eine Stunde vor der Messe hatte mich Pater Ezequiel, der Pfarrer, gestern gefragt, ob ich bei den Beichten helfen könnte. Er spendete das Bußsakrament in der Küche, ich in der Sakristei des Hauses. Auch als wir nach einer Stunde abbrachen, war die Schlange der Wartenden noch nicht ans Ende gekommen. Nach dem Gottesdienst segnete ich eine Marienfigur in einer Grotte vor dem Haus. Zum ersten Mal habe ich so etwas in Russland gesehen. Schauen wir, wie es von den Vorübergehenden angenommen wird! Es gab, wie immer, wenn ich nach Uljanowsk komme, ein deftiges, armenisch Mittagessen für alle. (Für alle!) Und es bleib Zeit, das Dachgeschoss anzuschauen, das Pater Ezequiel und seine Ordensgemeinschaft als "Kloster" ausbauen wollen, während Keller (Gemeindesaal), Erdgeschoss (Kapelle und Küche) und 1. Stock (Büro und Gruppenraum) für die Gemeinde gedacht sind.