Sonntag, 8. September 2013

Samara - 3 (Der Sonntag)

Natuerlich stand die Sonntagsmesse im Mittelpunkt des heutigen Tages. Samara hat eine grosse, neugotische Kirche, eine der 5 "alten" Kirchen im Bistum. "Alt" heisst - aus der Zeit vor der Oktoberrevolution (1917). Drei Frauen empfingen im Gottesdienst das Sakrament der Firmung. Als wir nach der Messe an ein gemeinsames Foto dachten, war schon die Haelfte der Leute nach Hause gegangen. Mit den anderen blieben wir noch lange in den Backstein-Gewoelben unter der Kirche sitzen, erzaehlten, assen Obst und Torte. Nicht wenige stellten Fragen, interessierten sich fuer Dienstliches und Persoenliches. Eine Mutter mit Sohn fragte mich, ob ich mich an sie erinnere. Dann antwortete sie selbst auf das Raetsel: Vor genau einem Jahr war sie zur Hochzeit ihres Bruders nach Marx gekommen, der eine Katholiken heiratete. "Damals war ich zum erstenmal in einer katholischen Kirche. Sie haben die beiden getraut. Jetzt gehe ich hier zur Kirche und bereite mich auf die Taufe vor..." Aus ihren Worten klang Freude.
Ein Abschiedsbesuch bei den Schwestern, ein Gespraech mit dem Kaplan, ein wenig Zeit zum stillen Beten, ... Abendmesse. Obwohl Sonntagabend nicht viele zur Kirche kommen, singen sie kraeftig. Ein Englischlehrer aus Kanada war unter den Gottesdienstbesuchern. Nach der Messe machten wir uns bekannt. Ein frommer, junger Mann, der hier irgendwo in der Stadt doziert. Das Abendbrot hatte der Kaplan in der Zwischenzeit mit einem Jugendlichen aus Madagaskar vorbereitet. Danach folgten noch anstehende Gespraeche. Nun ist es schon spaet. Wir warten auf den Pfarrer von Kasan, der heute hier uebernachten will, weil morgen sein Dekanatstreffen in Orsk beginnt. Von Samara "nur noch" 850 km. Draussen regnet es kraeftig. Trotzdem wird gerade ein gewaltiges Feuerwerk gezuendet, denn in  Samara ist Stadtfest.