Donnerstag, 31. Oktober 2013

31. Oktober

"Kram" darf man das nicht nennen, womit ich mich den ganzen Tag am Schreibtisch beschäftigt habe. ... Wäre auch ungerecht. Telefongespräche mit Priestern, eins mit dem Nuntius wegen der Olympiade in Sotchi, eins mit dem Rektor vom Vorseminar, Briefe (vom Beileidsschreiben bis zum Glückwunsch zu einer gelungenen Nierentransplantation), natürlich auch "Amtspost", Projekte, Messintentionen usw. usf. Das, was ich mir am Morgen auf dem großen Tisch im Sitzungszimmer bereitgelegt hatte, liegt, wie es lag... Kurz: Ich habe nichts so Richtiges zum Erzählen.
Aber 60 km von hier entfernt, ist heute ein Feiertag: Die ganze Gemeinde hatte den Pfarrer gebeten, die Wochentagsmesse auf den Morgen zu verlegen, damit sie anschließend mit Schwester Helena frühstücken konnten. Schwester Helena hat heute Geburtstag, und weil in Russland das Renteneintrittsalter 10 Jahre tiefer liegt als in Deutschland, war es ein doppelter Anlass zum Feiern. Schwester Helena lebt seit 1985 in Marx, also fast von Anfang an. Hunderte Menschen kamen damals aus Sibirien und Kasachstan in die Kleinstadt an der Wolga gezogen, weil dort - im langsam bröckelnden Kommunismus - wieder kirchliches Leben begann. Man betete wieder gemeinsam. Schwestern bereiteten Alte und Junge auf den Empfang der Sakramente vor, alles auf den Tag "x" hin: "wenn wieder einmal ein Pater vorbei kommt." So ist sie die geistliche "Mutter" vieler geworden, ganz abgesehen davon, dass sie seit langer, langer Zeit für die Ausbildung junger Ordensschwestern verantwortlich ist.