Mittwoch, 13. November 2013

Licht aus dem Osten


"Licht aus dem Osten" - so hieß die Diplomarbeit eines Studienfreundes vor der Jahrtausendwende. Es ging um die Märtyrerkirche in der Sowjetunion, die Jahrzehnte lang fast ganz ohne Priester ausgehalten hatte und nach Zusammenbruch des totalitären Systems wieder zaghaft zu blühen begann. Im Laufe der Zeit wurde jedoch deutlich, dass die Kraft des "heiligen Rests" zu klein war, um an große Missionsaufträge in fernen Landen zu denken. 
Nach dem vergangenen Wochenende erreichte mich dennoch folgende Nachricht: "Zu meiner freudigen Überraschung wurde gestern in meiner Pfarrgemeinde ... Marcus Nowotny als unser neuer Aushilfspfarrer vorgestellt – wer hätte das gedacht, dass die Diözese Saratov noch einmal in Bayern mit Priestern weiterhilft! Danke!" 
Wie das zustande kommt? Marcus Nowotny gehört zu meiner Diözese. In ein paar Tagen ist es 12 Jahre her, dass ich ihn in Saratow zum Priester weihen durfte. Schon manchmal habe ich berichtet, dass ausländische Geistliche oft nach 10 Jahren müde und ausgelaugt in ihre Heimatländer zurückkehren. Er hatte sich damals entschlossen, für immer nach Russland zu kommen. Um neue Kräfte zu sammeln, hatte er vor einiger Zeit um ein Semester Studium gebeten. Das genießt er nun noch bis Februar in München. Dann kommt er zurück ins Bistum Sankt Clemens. - Wirklich lustig: Das südrussische Bistum Sankt Clemens in Saratow hilft im katholischen Bayern mit einem Priester aus!