Montag, 2. Dezember 2013

Danke für den Notruf

Das sind die beiden Fenster, hinter denen Edmund Kin, einer unserer Ältesten in der Saratower Pfarrgemeinde, lebt ... und nun wahrscheinlich bald sterben wird. Seine russisch-orthodoxe Frau Galina versuchte am Vormittag einen unserer Priester zu erreichen, blieb erfolglos und fragte dann bei mir im Büro nach. 15 Minuten später war ich dort. Sie entschuldigte sich für das Durcheinander in der Wohnung. Ich konnte sie nur bewundern, wie sie sich - auch nicht mehr die Jüngste - allein um ihren Mann sorgt. "Vielleicht hätte ich schon vorgestern Bescheid sagen sollen, da ging es noch besser", folgte eine abermalige Entschuldigung der Gattin des 86-Jährigen. Er liegt im Wohnzimmer, zu schwach die Augen zu öffnen. Die wenigen Worte, die er sprach, als er wach wurde, konnten seine Frau und ich nur manchmal und nur mit Mühe verstehen. Ich spendete ihm die Krankensalbung (auswendig, auf Deutsch, weil ich das russische Buch in der Eile vergessen hatte). Anschließend blinzelte der alte Mann aus den nun leicht geöffneten Augen und sagte mit Freude in der schwachen aber deutlichen Stimme, auf Deutsch: "Ich freue mich sehr, sehr!" Ich gab der Frau meine Handynummer und versprach, morgen Vormittag noch einmal zu kommen. Zum Abschied hob Edmund Kin dreimal an. Dann kam es deutlich über seine Lippen, wieder in Deutsch: "Auf Wiedersehen." Die Intonation ließ offen, ob er hier oder "dort" gemeint hat.