Mittwoch, 1. Januar 2014

Was zum 1. Januar dazugehört

Wenn es um die Gottesdienstzeiten am 1. Januar geht, sehe ich einige Pfarrer im Bistum immer noch "ausprobieren". Das Hochfest der Gottesmutter Maria gehört zu den Tagen im Jahr, die uns katholische Christen, motiviert aus dem Glauben, zum Mitfeiern der Eucharistie verpflichten. Früh morgens und am Vormittag stehen die Chancen nicht gut für eine gefüllte Kirche. Bis dahin sind viele noch nicht schalfen gegangen. Für den Kirchenbesuch reichen die Kräfte aber auch nicht mehr. Spät nachmittags oder am Abend - verliert man ebenfalls einen beachtlichen Teil der Leute, weil sie unterwegs sind, von Bekannten zu Bekannten, um sich eine glückliches Neues Jahr zu wünschen. P. Michail in Saratow hat es trotzdem mit 18.00 Uhr versucht. Das Ergebnis war - wie leider immer zu Neujahr - nicht rühmlich für die Gemeinde. In Marx bot P. Tomasz zwei außergewöhnliche Uhrzeiten an: 31.12.13, 23.00 Uhr (da würde man doch wohl in Deutschland kaum jemanden in die Kirche bewegen) und 1.1.14, 12.00 Uhr. Es ging so einigermaßen, aber zur üblichen Sonntagsgemeinde war es weit. Neujahr ist für die Menschen in Russland das größte Fest des Jahres. (8. März und 9. Mai schließen sich an: Internationaler Frauentag und Tag des Sieges über Hitlerdeutschland.) Bestimmte Salate, ein jährlich ausgestrahlter Film, sogar mehrmals am Tag, die Ansprache des Präsidenten, ... gehören für die Leute zum freiwillig auferlegten - oder hineingewachsenen - Pflichtprogramm. Kirche (noch) nicht. 
Leider haben wir in diesem Jahr noch keinen richtigen Winter. Die Wolga beginnt erst langsam zuzufrieren. Bereits gefrorenes Eis wird von der Strömung nach aussen gedrückt und türmt sich am Ufer. Das konnten wir bei unserem - wirklich schon traditionellen - Neujahrsspaziergang mit den Schwestern in Marx heute am späten Nachmittag gut sehen. Hier, wo das Foto entstand, ist die Wolga ca. 4 km breit. Auf der anderen Seite erkennt man das sog. Steilufer (das rechte Ufer der Wolga). Es ist bis heute relativ dünn besiedelt. Einst, als Katharina II. vor über 200 Jahren Deutsche ins Land rief, siedelten sie, zumindest nördlich von Saratow, am Wiesenufer (linken Ufer). Hier war es leichter, Felder anzulegen und zu bestellen, weil der Wind den Ackerboden nicht so forttrug wie auf der anderen Seite.