Sonntag, 5. Januar 2014

Weihnachtsschweigen

Der sogenannte Eröffnungsvers jeder heiligen Messe wird heutzutage durch ein Eröffnungslied ersetzt oder einfach weggelassen. Trotzdem hat es Sinn, ihn zu lesen oder gar zu meditieren, denn er führt in die jeweilige liturgische Feier hinein und macht es leichter, wirklich da(bei)zusein.  Heute ist jener Vers dem Buch der Weisheit entnommen (Weish 18, 14-15). 50 Jahre vor der Geburt Christi schrieb da ein frommer Jude: "Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron." Damit ist heute nicht nur auf den nochmals verkündeten Anfang des Johannesevangeliums hingewiesen, auf "das Wort, das im Anfang bei Gott war und Fleisch wurde", sondern es ergab sich die Möglichkeit, tief ins Weihnachtsgeheimnis hineinzulauschen. Wir haben es mit der Pfarrgemeinde in Saratow versucht.

Als tiefes Schweigen das All umfing
und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr,
vom Himmel herab, vom königlichen Thron.



Gott schweigt. die Welt kann es nicht.
Wir erhellen die Nacht mit künstlichem Licht.
Granaten krachen,
Sünder lachen.
Das Leben geht weiter,
geht, geht, … vergeht.

Leeres Gerede, statt tiefen Schweigens,
versperrt dem all-mächtigen Wort den Weg
in den Stall des Herzens von (sag Deinen Namen).

Herr, steig herab, und reich mir deine menschliche Hand.
Führe, halte, zieh mich in der Nacht, in Richtung Licht.

Jesus, mein Bruder, vom Königsthron,
deine Berührung mache mich froh,
mild, wie ein Kind, zum Frieden bereit,
hilft mir zu sein, was der Vater gewollt:
Mensch -
einfach so.