Samstag, 8. Februar 2014

Damit der Haussegen gerade hängt

Noch bis Aschermittwoch sind unsere Seelsorger unterwegs und besuchen nahe - und ferner stehende Gemeindemitglieder in ihren Wohnungen und Häusern. Sie beten mit den Leuten, segnen die Räume, erleben deren Alltagssituation vor Ort, hören zu, erzählen und kommen nur selten ohne "Tee" davon. Man sagt "Tee", meint aber viel mehr, als in eine Tasse passt. Auch arme Leute decken den Tisch, wenn der Pfarrer kommt, wie sie es machen würden, wenn sich liebe Verwandte zu Besuch angemeldet haben. 
Jene sogenannten "Hausbesuche" zählte ich als Kaplan und Pfarrer zu meinen wichtigsten pastoralen Pflichten, nicht wegen des Essens, versteht sich. Heute hatte ich Zeit und machte zwei solche Besuche in Saratow: zuerst bei der Frau des im Dezember verstorbenen Edmund Kin, die selbst nicht katholisch ist, sich uns aber durch ihren Mann sehr herzlich verbunden fühlt. Wir sprachen über ihren verstorbenen Gatten und über ihr Leben, wie sie - die Russin - sich als dreijähriges Kind im Wald verlief und wie ihr eine deutsche Familie das Leben rettete u.v.m. Sie kramte alte Dokumente heraus, darunter eine Abschrift der Geburtsurkunde der wolgadeutschen Mutter ihres Mannes von 1913, mit dem alten Siegel der katholischen Pfarrei in Saratow. Ihr Sohn, der auch dabei war, hatte den "Tee" vorbereitet. 
Gleich darauf fuhr ich ans andere Ende der Stadt. Dort wartete eine junge Familie mit einigen Verwandten. Deren Wohnung, ein ausgebauter Keller, 42 Quadratmeter, befindet sich in einem Haus weit oben an einem Hang, der den natürlichen Abschluss der Stadt gen Süden bildet. Irgendwo war ein Rohr gebrochen. ein Teil des die Straße herunterströmenden Wassers war längst gefroren, der anderer quetschte sich unter den Reifen wie kalte Mürbteig nach rechts und links. Wir beteten, aßen, erzählten. Es war Zeit, und sie verging schnell. 
Morgen wird es in Saratow "schon wieder" eine Taufe geben. Der Pfarrer hat neulich eine scherzhafte Hochrechnung am Ende der Vermeldungen gemacht, wie lange es noch dauern wird, bis wir anbauen müssen, wenn das so weiter geht. Aber auch ein wenig traurig wird es werden: Morgen am Ende des Gottesdienstes werden zwei Ordensschwestern verabschiedet, die nach Kasachstan gehen und dort neue Verpflichtungen übernehmen.