Freitag, 7. März 2014

Ein schönes Beispiel für Katholischsein in Südrussland

Morgen ist Frauentag, einer der drei größten Feiertage in der ehemaligen Sowjetunion: Neujahr, 8. März, 9. Mai. Seit zwei Jahrzehnten kommen Ostern und Weihnachten wieder dazu. Ich selbst bin starken Frauen in Russland begegnet, die ihre Familien und deren Nöte wie stille Heldinnen tragen, die die Kraft haben, ihren Glauben weiterzugeben, die die Not anderer bemerken und die helfen. Sie haben einen Feiertag verdient, ganz unpolitisiert. 
Heute kam mir ein Brief auf den Tisch, in dem ich von einer Frau erfuhr, die als Jugendliche in dem Dorf zur Kirche kam, in dem Pater Johannes lebte. (Ich hatte früher von ihm erzählt.) Nach ihrer Heirat zog sie in eine kleine Stadt. Das Geld für die 60 km bis zur Kirche bekommt ihre fünfköpfige Familie nie zusammen. Aller zwei Wochen besucht nun Pater Nikolaij die Familie, schon ein Jahr lang. Wenn er kommt, werden die zwei kleinen Zimmer der Wohnung zur Kirche. Inzwischen sind es schon 16 Personen, die zur Messe und zum Unterricht dorthin kommen, schreibt er. Es sei das Highlight seines pastoralen Dienstes. Zwei Paare bereiten sich auf die Trauung vor, weitere sechs Personen auf die erste heilige Kommunion. Die geistliche Sehnsucht der sehr einfach lebenden Familie scheint den Priester zu tragen. Das kann ich mir gut vorstellen. "Diese Menschen haben mich nie um Geld gebeten", sagt er. Gerade darum möchte er ihnen helfen.