Mittwoch, 26. März 2014

"Und dann hat ein kleiner Traum angefangen"

Noch während der Paralympischen Winterspiele in Sotschi bekam ich einen bewegenden Brief, aus dem ich hier ein Stück wiedergeben möchte. Geschrieben hatte Alberta, die unermüdliche Italienerin aus der von Don Oreste Benzi gegründeten Assoziation Johannes' XXIII. Ich bin sehr froh, solche Menschen in der großen Familie unseres Bistums zu haben. Alberta wollte gern mit einigen ihrer Hausgenossen zu den Paraolympics fahren, aber alles lief auf "unmöglich" hinaus. Das Sozialamt gab ihr keine Plätze. Doch im letzten Moment wendete sich das Blatt: Eine Frau aus dem Sportministerium lud sie ein. Der Sankt Clemens Verein (Heiligenstadt) kümmerte sich um die Finanzierung. Hier nun ein Auszug aus dem Brief: 

"... und dann hat ein kleiner Traum angefangen. Wir (Lola, Sweta, Tonia, sowie Olga und ich als Begleiterinnen) sind zusammen mit 150 Leuten aus Kalmykien mit dem Bus (15 Stunden) nach Sotschi gefahren. Alle waren freundlich. Uns haben sie die besten Zimmer gegeben, damit Sweta und Lola sich wohlfühlten. Im Hotel gibt es Aufzüge, Toiletten für Behinderte, Duschen für Behinderte! Für uns war es fast nicht zu glauben. Die Mädchen konnten sich  selbstständig bewegen. Als wir dann in die Stadt losgegangen sind, konnten die Mädchen fast überall alleine fahren! Busse für Behinderte! Die Straßen sind alle mit speziellen Rampen ausgestattet, damit  man ohne Probleme mit dem Rollstuhl fahren kann. Die Polizei ist freundlich und hilft, die Straße zu überqueren. Überall sind die Türen für uns offen! Als wir dann zugeschaut haben wie die Sportler gespielt haben - das war ein Traum! Es waren nicht Behinderte, sondern Männer und Frauen, die ihre Behinderung übersprungen haben. Ich habe vor Freude geweint. Nicht so wichtig, wer gewinnt, sondern zu  sehen, wie sie kämpfen, wie sie sich bewegen, und ich weiß, wieviel Kraft, Geduld und Willen gebraucht werden, um sich von der Behinderung nicht unterdrücken zu lassen, besonders hier in Russland. Wir waren voll von Bewunderung! Ein Stück … Hoffnung, ein kleiner Traum davon, dass sich mit der Zeit die Beziehung zu den behinderten Menschen bessert. Sie haben das Recht und die Pflicht, ein aktiver Teil der Gesellschaft zu sein, und sie sind lebenswichtig für das Überleben der Gesellschaft. Die Gesellschaft - gerade durch behinderte Menschen und Menschen die viel gelitten haben - wird menschlicher! Alles hat Gott gut gemacht Alle sind wichtig, und alle haben einen speziellen  Platz in der Geschichte und im Plan Gottes."