Montag, 28. April 2014

Der Eckstein

Er war der Anlass meiner Reise: ein Stein aus dem Felsen, auf dem die Wallfahrtskirche in Czestochowa steht. An jenem polnischen Wallfahrtsort sagte Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Besuch im Jahre 1979: "Hier ist die katholische Kirche in Polen immer frei gewesen." Dieser Stein, hier noch in der Hand eines Ministranten in Togliatti, liegt nun im Mauerwerk einer künftigen Kirche für katholische Christen an der Wolga. Er liegt weder im Fundament, noch ist er der Schlussstein eines gotischen Gewölbes, dennoch erinnert er an Christus, der Alpha und Omega, Anfang und Ende all unseres Strebens sein möge.
Die Begegnung mit der Pfarrgemeinde kam gestern ein wenig zu kurz. Abgesehen vom katholischen Sonntagsgottesdienst, hatte des Wochenende einen ausgesprochen ökumenischen Akzent. Ich bin immer noch beeindruckt davon: vom Enthusiasmus, vom Erreichten und vom Geplanten unserer orthodoxen Mitbrüder. Es passiert viel Gutes in unserer Schwesterkirche dort im Gebiet Samara. Und obwohl wir Kirchen besuchten und am letzten Tag der Osterwoche viele Christen antrafen, blieb für mich eine Frage offen, deren Antwort nach unserem (und meinem persönlichen) Kirchenverständnis sehr wichtig ist. Ich meine das Thema des Gebets und der persönlichen Christusbeziehung. Leben doch orthodoxe Christen wie wir in einer säkularisierten Welt ... Als ich zum Beispiel von der Oberin eines orthodoxen Frauenklosters hörte, dass dort 90 Nonnen leben, hätte ich gern gefragt, wie es mit der spirituellen Formung der gottgeweihten Frauen aussieht. Aber es war keine Zeit. Ich hoffe und freue mich auf künftige Treffen.