Freitag, 18. April 2014

"Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt"

Weil es in Russland immer Arbeitstag ist, greifen wir regelmäßig auf die Möglichkeit zurück, die Karfreitagsliturgie am Abend zu feiern. Ich hatte mich gestern mit der Annahme getäuscht, dass die Kirche auch heute halb leer sein wird. Viele waren gekommen, direkt von Arbeit, Uni, Schule oder zu Hause. Es sind die Tage, in denen auch "alte Gesichter" auftauchen, die ich schon lange nicht mehr in der Kirche gesehen habe. Dabei fällt mir auf, dass sie froh sind und sich zu Hause fühlen, mitsingen und den eigenen Neuanfang zu spüren scheinen. 
Heute stand die Kreuzverehrung im Mittelpunkt der Liturgie. Auch das Gebet am heiligen Grab - im Anschluss an den Gottesdienst - ist unseren Leuten wichtig. Ich erinnerte mich natürlich an meine Besuche in Jerusalem. Mit unserem Gebet am heiligen Grab sind wir praktisch schon am Osterschauplatz angekommen... 
Morgen wird den ganzen Tag über die Möglichkeit bestehen, still in der Kirche zu beten. Es werden nicht viele kommen, vermute ich. Aber alle, die tagsüber etwas in der Kirche helfen, werden sich auch Zeit zum Beten nehmen. Das weiß ich aus Erfahrung. 
Meinen Osterbrief an alle Gemeinden habe ich heute am frühen Morgen verschickt. Es geht darin um die nötige Begegnung mit dem Auferstandenen, damit das Osterecho nicht verhallt. Zwar ist diese Begegnung anders als das, was die Frauen am Grab, Maria Magdalena, die Emmausjüngern u.v.a. erlebt hatten. Es ist auch keine speziell mystische Erfahrung gemeint, aber etwas Persönliches zwischen mir und Christus muss sein, sonst bleibe ich nicht in der Kirche. Stimmt's?