Freitag, 9. Mai 2014

Impulse für die Seelsorge in Russland

"Du hast mir den Weg nach Ars gezeigt. Ich
werde dir den Weg zum Himmel zeigen."
Gestern und vorgestern hatte ich viel mehr freie Zeit als gewöhnlich. Es reichte für einen Spaziergang, zum Lesen, für ein langes Abendgebet in der Kapelle des vom hl. Pfarrer von Ars gegründeten Mädchen-Internats, wo Menschen schon mehr als 150 Jahre vor dem Allerheiligsten beten, zu jeder Tag- und Nachtzeit. Es war bewegend zu sehen, wie auch spät am Abend Leute kamen: ein junger Mann kniete lange Zeit ganz ruhig an der Stufe zum Altar, Frauen jeden Alters traten fast unbemerkt ein, ein alter Herr, eine Mutter mit einer (vielleicht) sechsjährigen Tochter, alles innerhalb einer Stunde. Einfach so kommen sie, zum stillen Beten. (In einem kleinen französischen Städtchen, ununterbrochen seit 150 Jahren...) Beim Spaziergang fand ich Muße, die Erfahrungen der letzten beiden Tage zu reflektieren. In einem Buch über Priester und Kirche stieß ich auf das ungewöhnliche Wort "Identitätsverschiebung". Beim Versuch, für die Unterkunft zu bezahlen, bekam ich zur Antwort: "Sie sind doch einer von uns!"
Nun habe ich heute schon zwei Flüge hinter mir. Einer ist noch geblieben, der von Moskau nach Saratow. Denis wurde hier am Flughafen von seinen Eltern und seiner kleinen Schwester abgeholt. Sonntag enden seine Ferien. In der Nacht zum Montag geht sein Flug zur letzten Etappe ins Vorseminar nach Sibirien.