Sonntag, 29. Juni 2014

Die letzte Messe

Das war schon ein komisches Gefühl. Pater Raul hatte gebeten, dass ich die frohe Nachricht (außer für Melancholiker) am Anfang der Festtagsmesse an "Peter und Paul" verkünde: Es würde die letzte Messe in dieser Kapelle sein, die letzte Firmung, die letzte Predigt, die letzte Kommunion, der letzte Segen. Mittwoch beginnen die Bauarbeiten, was erst einmal "Abriß" bedeutet. Hier an diesem Ort ist die neue Taganroger Pfarrgemeinde auf- und zusammengewachsen. Und nun: Die letzte Messe in diesen Wänden... Wie gesagt, nichts für Melancholiker. Tatsächlich geht es ja um eine Verbesserung, eine Erweiterung, die wegen der wachsenden Gemeinde nötig ist. 
Die Ersten, die ich bei meiner Ankunft vor der Kapelle traf, waren eine junge Frau und ihr - ich vermute - Vater, die heute zum ersten Mal hier her kamen. "Wir suchen eine Wohnung", sagten sie. Schnell wurde mir im weiteren Gespräch klar, dass sie aus jener Region der Ukraine stammten, die sich als autonome Republik ausgerufen hat. Flüchtlinge, die vorläufig bei Bekannten untergekommen sind. Auch in der Messe begleitete mich der Gedanke an Menschen, die ihre Heimat notgedrungen (von Not gedrängt) hinter sich gelassen haben, denn in der ersten Reihe saß ein Ehepaar, das ich gestern kennengelernt hatte: aus Syrien. Bei der anschließenden Geburtstagsfeier für den Pfarrer, waren weder die einen, noch die anderen dabei. Ich hätte gern noch mit ihnen gesprochen. 
Heute Abend erwarten wir hier am Asowschen Meer die Seelsorger des relativ kleinen Dekanats zu einem mitbrüderlichen Treffen. Den weitesten Weg hat der von Wolgodonsk, ca. 300 km. Vermutlich kehren alle noch am späten Abend nach Hause zurück.