Freitag, 6. Juni 2014

Seit 30 Jahren in Marx

Wie machen das die Leute, die ihr Leben lang am Schreibtisch sitzen? Ich freue mich, dass ich nach vier Tagen "endlich" wieder einmal raus durfte. Heute Morgen begannen wir das - man kann schon sagen - Fest des 30. Jahrestages der Ankunft der Schwestern in Marx. Von Karaganda aus waren sie Anfang Juni 1984 an die Wolga gekommen, um unter den wolgadeutschen Heimkehrern zu wirken und sie auf den "Tag X" vorzubereiten, an dem wieder ein Pater vorbeikommen würde. Teilweise jahrzehntelang waren die Leute ohne Priester gewesen, hatten sich aber bemüht, den Glauben zu bewahren und an die Kinder weiterzugeben. Es ist eine wirkliche Gnade für Marx, für unser heutiges Bistum und für die katholische Kirche in Russland und Kasachstan, dass wir diese Schwestern haben. 
Am Morgen zelebrierten Pater Tomasz (Marx) und Pater Reinhard (Saratow/Marx) mit mir den Dankgottesdienst in der Schwesternkapelle. Maria, eine der beiden Postulantinnen, empfing das Sakrament der Firmung. Drei herandwachsende Jugendliche aus der Pfarrgemeinde sind seit gestern Abend im Kloster. Sie nahmen nachts, wie schon üblich, an der 24-stündigen Anbetung teil, mit der die Schwestern am jeweils ersten Donnerstag des Monats in verschiedenen Anliegen beten. 

Am Kirchturm wächst das Brettergerüst, von dem aus der Turm und die Vorderseite der Pfarrkirche neu verputzt werden sollen, nachdem im Herbst ein großes Stück Putz direkt vor dem Haupteingang herunterprasselte. - In Saratow ist vor einer Stunde eine Schwester aus Deutschland gelandet, die zehn Tage Fortbildung mitmachen wird. Bald wird sie in Marx eintreffen. Die Schwestern-Niederlassung in Bayern gehört seit ein paar Jahren zur Delegatur Russland-Kasachstan.

Übrigens: Allen   N O R B E R T s   herzliche Glück- und Segenswünsche zum Namenstag!!! Und allen ehemaligen Norbertinern (Magdeburg) einen brüderlichen Gruß am Tag des hl. Norbert von Xanten!

Hier noch eine kleine Fortsetzung: Jeder, der am Abend im gutbesuchten Gottesdienst in der Pfarrkirche anwesend war, hatte einen Grund, den Schwestern, bzw. Gott für die Schwestern, zu danken. "Praktisch wäre keine von uns    h i e r,   wenn es nicht seit 30 Jahren die Schwestern in Marx geben würde", denn hier - gemeint war das heutige Kirchengrundstück - würden höchstwahrscheinlich Kartoffeln oder Gurken wachsen. Ohne den mutigen Anfang der Schwestern im Juni 1984, wäre nie ein katholischer Priester in die Kleinstadt Marx gezogen, hätte es keinen Kirchenneubau gegeben, wären viele ohne Hilfe auf dem Weg zum Glauben geblieben... Im Katharinensaal unter der Kirche war anschließend eine lange Tafel gedeckt. Schon geübt im Vorbereiten, hatten alle etwas von zu Hause mitgebracht: Kartoffeln, Pilze, Fischbrote, Knoblauch, Eier, Pizza wahlweise mit Oliven oder Thunfisch, Kuchen. Mit Fotos und Musik luden die Schwestern zu einem Spaziergang durch die vergangenen 30 Jahre ein. Sich in großer Runde auf alten Fotos wiederzuentdecken, bzw. von anderen erkannt zu werden, ... machte allen großen Spaß. Schön war es auch zu erleben, wie viele einzelnen Schwestern persönlich dankten.