Montag, 21. Juli 2014

Tante Beate, Caritas und 400 km russische Landstrassen

Heute Mittag ziehen unsere Gäste weiter. Nach Wolgograd, Saratow und Marx, folgen jetzt noch Besuche in Syzran, Uljanowsk und Kazan. Wenn man die Reiseroute auf der Karte verfolgt, sieht man, dass alle Stationen an der Wolga liegen. Heute Morgen gab es eine besondere Begegnung mit der letzten deutschen Großmutter in der Marxer Christkönigspfarrei: Wir frühstückten bei Tante Beate in Pawlowka, 5 km vor der Stadt. Die zutiefst tragischen Lebensgeschichten dieser Generation, ihr Mut und ihr Glaube, bewegen das Herz aufmerksamen Zuhörer jedes Mal. Der Frühstückstisch war hochzeitlich gedeckt. Bis zum Mittagessen sind Bischof Bode und sein Kommando nun mit der Caritas in Marx unterwegs, die wir gegründet haben, um eine ambulante Pflege von Schwerstkranken und Sterbenden zu organisieren, was wiederum in der Perspektive, wenn alles, alles gut geht, eines Tages in den Bau eines Hospizes oder Altenheims mit Palliativstation münden soll. Alte, kranke, einsame Menschen gibt es viele. Den Schub zur Gründung der kleinen Caritasstation gab der Kontakt zu "Spes viva" in Ostercappeln, wo man sich schon lange, christlich und professionell um Sterbende sorgt, während das Thema in Russland vielerorts immer noch zu den Tabus gehört. Beim Mittagessen werden wir uns verabschieden. Pater Tomasz, (der morgen Geburtstag hat,) übernimmt die vierstündige Fahrt nach Syzran, wo die Gäste von Pater Ezequiel übernommen werden. Am späten Abend geht es von dort bereits weiter nach Uljanowsk - noch einmal zwei Stunden im Auto... Das heutige Fotos stammt, wie auch schon die beiden vorherigen, von Ottmar Steffan und ist in Marx aufgenommen, als wir zufällig bei Rot an einer Kreuzung warten mußten. Interessant bis zum "i"-Pünktchen: Auf dem Strassenschild steht: "Arbeitsstraße". Das mit Asbest gedeckte Holzhaus ist mit Ziegeln ummauert, weil das immer höher werdende Heizkosten bremst.