Sonntag, 7. September 2014

Dieses Dorf war und ist etwas ganz Besonderes in unserem Bistum

Wenn Sie zu Hause oder im Büro das Fenster öffnen - wird es dann in jenem Moment lauter oder stiller um Sie herum? In Alexejewka scheint einen die Stille in so einem Moment nach draussen zu verschlucken. Ein Dorf am Ende der Welt ... 
Heute ist Sonntag. Mit den größten der zur Verfügung stehenden Fahrzeugen holen Bruder Martin, Bruder Beat und vielleicht auch eine der Schwestern die Leute aus den umliegenden Dörfern zusammen. Von zehn an wird in der Kirche gebetet. Um elf ist heilige Messe. Ich freue mich, heute auch Väter zu sehen, nicht nur Frauen und Kinder, wie früher. Dankbar erinnern wir uns an Pater Johannes, der hier 15 Jahre lang Pfarrer war, "Vater" und "Bruder". Morgen ist es 20 Jahre her, dass er zum Priester geweiht wurde. 
Nach dem Gottesdienst waren alle herzlich zum Imbiss ins Gemeindehaus eingeladen. Das läßt sich hier keiner entgehen. Bis zu sechs Würstchen verzehrten die Kinder, manche im Knien vor einem Stuhl, weil es keine anderen Abstellmöglichkeiten gab. Als Geschenk für den Bischof, schauten wir uns dann mit allen gemeinsam 299 ausgewählte Fotos der vergangenen 12 Monate an, damit ich wieder auf dem Laufenden war, was hier so alles geschieht. Zwischendurch sangen Kinder Lieder - ebenfalls als Geschenk für mich. Ich bekam Gelegenheit, einige junge Familien kennenzulernen, die sich auf die Taufe, die Trauung oder andere Sakramente vorbereiten. Hier scheint etwas zu wachsen. Manche dieser jungen Leute wohnen über 100 km von Alexejewka entfernt!
Irgendwann am Nachmittag muß ich auf den (kircheneigenen) Spielplatz kommen. Kinder haben versprochen, dass sie mir Basketball-Spielen beibringen. Außerdem möchte ich eine deutsche Großmutter besuchen, die - scheinbar aus gesundheitlichen Gründen - heute nicht zur Messe gekommen war. Sie und ihren Mann hatte ich Anfang der 90-er getraut, als Alexejewka noch "Außenstation" vom 850 km entfernten Marx war.
Ah, und fast vergessen: Die Segnung der Schulkinder am Beginn des neuen Unterrichtsjahres hatte P. Nikolaij auf heute verschoben. In diesem kleinen Ort mit seiner lehmigen, vom Milchauto zerfurchten Dorfstrasse, zählte ich 27 Schüler vor dem Altar.