Sonntag, 19. Oktober 2014

Bahnfahrt mit 47,5 km/h im Schnitt

So, die interessante Bahnfahrt von Sotschi nach Saratow ist vorbei. 32 Stunden hat sie gedauert, von denen die Toiletten im Zug planmäßig insgesamt über 14 Stunden lang geschlossen waren, weil jene noch nach altem Prinzip funktionierten und deshalb sogenannte "sanitäre Zonen" vor, in und nach den Ortschaften eingehalten werden mussten. Der Zug fuhr weiter nach Nizhnij Tagil in Sibirien. Da waren die 1.520 km nach Saratow nur ein Katzensprung dagegen. 
Wir verliessen Sotschi am Meer entlang. Große Städte am Weg waren gestern Krasnodar und heute Wolgograd. Über Nacht ging es durch Steppenlandschaft, und am heutigen Sonntag u.a. durch den südlichen Teil der ehemaligen Republik der Wolgadeutschen. Das Foto entstand bei der Fahrt durch Kamenka (die einstige deutsche Kolonie Bähr). Vor 110 Jahren hatte dieses katholische Dorf fast viereinhalb Tausend Einwohner. Ihre Kirche bauten sie selbst, anfangs aus Holz, dann - am Beginn des 20. Jahrhunderts - unter Leitung des vielen bekannten Paters Staub, aus Stein. Sowohl vom Dorf, als auch von der Kirche ist nicht viel geblieben. Und jedes Jahr wird es weniger. (Der Kirchturm z.B. hatte eine Höhe von 55 m.)
Marat, der Hausmeister unserer Pfarrei in Saratow brachte mir den Kleinbus zum Bahnhof. Mit acht Schwestern stieg ich schnell ein (weil nur im Parkverbot Platz für die Übergabe war) und eilte nach Marx zur Sonntagsmesse. Der Pfarrer dort ist noch im Urlaub. Die Messe begann heute erst am Abend um halb sieben. Trotz der für sie ganz ungewöhnlichen Zeit, waren die Leute da, wie die Apostel am Abend des Ostertages.