Montag, 6. Oktober 2014

Zeitung für das Bistum St. Clemens

In Anlehnung an die einst in Saratow erschienene katholische Wochenzeitung "Klemens" (oben im Bild die Ausgabe vom 3. Oktober 1900), hatten wir uns bereits vor Jahren darauf geeinigt, erneut eine Zeitschrift unter gleichem Namen - nur in Russisch, daher "Kliment" - herauszugeben. Das Projekt stellte hohe Anforderungen an die Verantwortlichen. Es scheiterte dann irgendwann am Termindruck und den langen Versandwegen. Nun ist der zweite Anlauf gemacht. Die erste neue Nummer (Oktober/November 2014) kam heute ins Haus. Sie geht als Geschenk in die Pfarreien, jedoch von der Mitteilung begleitet, dass das Journal ab der nächsten Nummer (Dezember/Januar) für eine entsprechende Spende zu haben sein wird. 
Hier eine Leseprobe von der Titelseite des "Klemens" vom 3. Oktober 1900: "Erscheint jeden Mittwoch, Preis jährlich 3 Rubel mit Übersendung. (Anm.: 3 Rubel wären heute, rein rechnerisch, 6 Cent.)" Weiter unten: " 'Neuigkeiten hört man nur traurige, besonders aus der Kolonie M.: eine Mordthat, ein Diebstahl in der Kirche, ein Schnapsdiebstahl, alles von Einheimischen begangen! Die Ernte ist schlecht ausgefallen: viel weniger Frucht, als man erwartet hatte; besonders wenig Stroh, so daß das Volk traurig gestimmt ist. Mit dem Wein ist es gerade so. Geregnet hat es den ganzen Sommer nicht, so dass die Weintrauben wie Schrote aussehen. Es lassen sich auch Krankheiten fühlen. Ein trauriger Winter steht uns bevor!' - Du lieber Himmel, dachte ich bei mir selbst, als ich diesen Abschnitt in einem Brief aus dem Süden gelesen hatte. Wo soll es denn schließlich mit den armen Landleuten noch hinaus? Auch in diesem Jahre wieder eine schlechte Ernte! Möchte man da nicht glauben, dass Gott, der Herr das Vollmaß der ägyptischen Plagen nur in anderer Weise auf uns hereinbrechen läßt? Keine Frucht, kein Stroh, aber doch nur in viel zu geringem Maße; kein Regen und infolge dessen natürlich auch kein Gras für das arme, geplagte Vieh! Sind nicht Mordthaten, Diebstähle und dgl. die Folgen des großen Elends, das wegen der Mißernten unter den Leuten herrscht? Aber nein - besann ich mich wieder - es könnte wohl entsprechender sein, wenn man es umgekehrt nimmt..." Der Text gleicht einer alten Predigt, in der im Folgenden der christliche Glaube erklärt wird, nicht so weltfremd moralisierend, wie es nach diesem ersten Abschnitt den Eindruck machen könnte.
In der aktuellen Ausgabe des "Kliment", 114 Jahre später, geht es um Erläuterungen zum Rosenkranzgebet (Oktober) und zum Gebet für die Verstorbenen (November), um die Berufung, heilig zu sein (1. November), um christliche Ethik, um die (Vor-)Geschichte unserer Diözese und die Herkunft der Katholiken in Russland, um herausragende Ereignisse in unserem Bistum 2014, ... Zum Schluss gibt es eine Seite für Kinder. Das Journal ist so angelegt, dass es mit der Zeit eine Sammlung von Material ergibt, die man einen zeitgemäßen Bistumskatechismus nennen könnte, und die so zur Evangelisierung (früher sagte man wohl: Mission) beitragen möge.