Sonntag, 30. November 2014

Firmung in der Autostadt an der Wolga

Ich vermute, das wird heute die letzte Firmung in der alten Holzkirche in Togliatti gewesen sein. 15 Jugendliche und Erwachsene hatten sich auf den Empfang des Sakramentes vorbereitet. Die kleine Kirche war übervoll. Jeder brachte so viel Wärme mit, dass das Innenthermometer am Ende der Messe 20 Grad anzeigte. Ich bekam Gelegenheit, mit einer 89-jährigen Wolgadeutschen aus Mariental zu sprechen. Sie sprach fließend Deutsch, heißt Maria Schönberger, geb. Thalheim, und wurde am 25.11.1925 geboren, hat also noch einen Teil der tragischen Ereignisse im Dorf miterlebt. Mir erzählte sie von Pater Kraft und neun Männern aus der Pfarrgemeinde, die dort eines Tages erschossen und vergraben wurden. Die deutschen Eniwohner viele Jahre später darum baten, sie auf den Friedhof umbetten zu dürfen, wurde es nicht erlaubt. 1941 im August kam der der Erlass zur Deportation aller Wolgadeutschen. Seitdem hat Maria Schönberger nur noch vom Dorf gehört. Ich bin schon mehrmals dort gewesen. Es liegt ca. 30 km von Marx entfernt.
Leider habe ich noch keine Fotos vom heutigen Fest in Togliatti. So kann ich nur eins von der fünfstündigen Rückfahrt am Abend anhängen. Wie man beim genauen Hinschauen vielleicht sehen kann, liegt hier schon (bzw. endlich) Schnee. Das war aber weder in Togliatti, noch in Saratow, sondern etwa auf halber Stecke, nahe der Stadt Chvalynsk.

Nachtrag am Montagmorgen (01.12.2014): Nun habe ich die Bilder bekommen: eins mit den gestern Gefirmten, und eins mit der 89-jährigen Maria Schönberger aus Mariental. Hinzuzufügen wäre noch, dass ich einen guten Eindruck von der Vorbereitung auf die Firmung gewonnen habe. Nicht nur die 15 Kandidaten, auch die ganze Gemeinde war sehr bei der Sache. Um die "Stimmung" im Gottesdienst zu beschreiben, passt das Wort "Erwartung". Und das wiederum passt gut zum Advent. (Zu beiden Bildern in diesem Eintrag der Hinweis: Vergrößern lohnt sich: Einfach mit der rechten Maustaste einmal aufs Bild klicken.) Wer einen Adventskalender zu Hause hat - hier gibt es den Brauch leider nicht - kann heute das erste Türchen öffnen. Liturgisch feiern wir heute den heiligen Andreas. Eigentlich war gestern sein Tag, aber der Erste Adventssonntag ging vor. Mögen kleine Namenstage durch diese große Verschiebung nicht unter den Tisch fallen; Heute, am 1.12. feiern wir u.a. die heilige Natalia.