Samstag, 15. November 2014

Ob wohl das Postauto noch (durch-) kommt?

Mein Schreibtisch mit seinem Kalender ist kein Mensch. Wenn ich mir von ihm diktieren lassen würde, was zu tun ist, würde ich bald gar keinen Menschen mehr begegnen. Der Schreibtisch soll vielmehr ein Mittel sein und bleiben, Hilfsmittel, für die Begegnung mit und von Menschen. In dieser Funktion hat er mich heute liebenswürdig daran erinnert, Freunden des Bistums Sankt Clemens in Saratow auszurichten, dass es höchste Zeit für Weihnachtspäckchen ist, z.B. an eine kinderreiche Familie oder an im Alltag ganz allein stehende alte Menschen. Erfahrungsgemäß gehen Päckchen hier her fast - (und Pakete: mindestens) einen Monat. Wir hatten vor zwei Jahren etwas Ähnliches probiert. Vier Personen in Deutschland hatten darauf reagiert. Die Freude bei den Empfängern war groß. Eine direkte Adresse, wohin das Päckchen gehen könnte, richte ich gern über den Sankt Clemens Verein aus. Dafür wäre hier kurz einzutragen, wer in etwa Empfänger sein sollte: "Briefkasten über den St.-Clemens-Verein". Ich weiß, dass die Postgebühren manchmal "teurer als der Inhalt" sind, aber das klingt ein bisschen nach dem alten, geizigen Ebenezer Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Nicht wahr? 
Kein Vermerk im Kalender hat mich heute an unsere Armen erinnert, sondern die Situation eines vierjährigen, lebenslustigen Mädchens in einer unserer Pfarrgemeinden. Seine Eltern haben sich leider getrennt. Nun wollen die Schwiegereltern seiner Mutter das Kind in einen anderen Kulturkreis holen, über 1.000 km weg vom bisherigen Zuhause. Vor Gericht hat die leibliche Mutter wegen ihres geringen Einkommens wenig Chancen. Diese und ähnliche Geschichten überschreiten das Mass meiner Blogeinträge, Geschichten, in denen jenen, die eingreifen, der familienorientierte Zugang fehlt. Bei einem Weihnachtspäckchen ist er da, der familienorientierte, Freude und Perspektive schenkende Zugang, sowohl beim Packen, wie auch beim Auspacken, wie auch ganz auf dem Grund des Päckchens: Jesus ist unser Bruder.