Sonntag, 2. November 2014

Verstorbene Priester

Die Morgenmesse am heutigen Allerseelentag feierte ich in meiner "Heimatgemeinde", sprich: in St. Gerhard in Heiligenstadt. (Hier bin ich polizeilich gemeldet, in der Wohnung meiner Eltern.) Anschließend zogen wir zum Klosterfriedhof der Redemptoristen, wo wir - besonders - für alle verstorbenen Seelsorger beteten. Still schloss ich "meine" verstorbenen Mitbrüder ein, die dem Herrn ins Bistum Sankt Clemens gefolgt waren: Krzysztof Nemyski (PL), der junge Pfarrer von Astrachan, ein Seelsorger der ersten Stunde. Vor 14 Jahren wurde er vergiftet. Jozef Valabek (SK), ebenfalls ein ganz guter Freund, eigentlich wollte er nur für ein Jahr nach Russland kommen. Er starb mit 52 Jahren in Anapa am Schwarzen Meer, als ich zum Weltjugendtag 2005 in Köln unterwegs war. Cassian Dezor (PL), ein kleiner, langbärtiger Karmelitenpater mit kindlich leuchtenden Augen aus Taganrog. Unter den Priestern hatte er wegen seines würdigen Aussehens und seiner unendlichen Güte den Spitznamen "Gott Vater". Johannes Kirchner (A), mein Jahrgang, der alle 15 Jahre seines Lebens als Priester den Ärmsten - und ganz sicher Christus in den Ärmsten - geweiht hatte. Ein großer Marienverehrer, Pfarrer in Alexejewka, verstorben 2010. Thomas Donahey (IE). Er kam schon als älterer Priester nach Samara, sprach russisch mit starkem irischen Akzent und war unschlagbar in seinem Humor. Reinhard Franitza (D) aus dem Bistum Hildesheim, der nach seinen langen Jahren im sibirischen Tscheljabinsk noch eine ruhigere Stelle für eine weitere Zeit in Russland suchte und so zu uns nach Kalmykien kam. Er starb an einem Adventssonntagabend, isoliert auf einer Intensivstation, nachdem er am Morgen in der Sonntagsmesse in Elista umgefallen war. Und nicht zu vergessen, der Steyler Missionar Jan Res (PL). Er zählte zu den älternen Priestern im Bistum, d.h.: um die 60. Wenn er sprach, sprach er kurz, aber klar und qualifiziert zur Sache. Auch außerhalb seiner Pfarrei in Tambow, wurde er geachtet. Ein barmherziger Mann. Große Fotos all dieser Priester hängen bei mir in Saratow im Büro. Jeder, der mich besucht, kann sie sehen, und jedem würde ich gern ausführlicher über diese guten Seelsorger und echten Freunde erzählen.