Sonntag, 7. Dezember 2014

2. Advent - Firmung in Wolgograd, Besuch in Kamyshin

Nur ganz kurz, beinahe im Telegrammstil: 12 Erwachsene empfingen heute in Wolgograd das Sakrament der Firmung. Anschließend blieben viele noch  zum "Tee". Sie hörten lange und mit Interesse zu, als ich aus dem Bistum erzählte.
Auf dem Heimweg besuchte ich die Pfarrgemeinde in Kamyshin. Unerwartet schafften wir es mit dem Auto noch zum Anfang der Abendmesse. So wurde aus der angedachten Stippvisite eine Gemeindemesse und ein gemütliches Abendessen, mit allen, die gern bleiben wollten. Um eine bessere Vorstellung von der Realität zu haben, füge ich hinzu: 10 Erwachsene waren es, die ich zur Abendmesse antraf. 200 km fährt ein Priester jeden Sonntag (und 200 zurück) um diese Außenstation zu betreuen. Der Gottesdienstbesuch habe in letzter Zeit sehr nachgelassen, sagte er mir gestern. Wir wissen gut, wie wichtig es ist, unseren getauften Christen "auf die Beine zu helfen", jedoch helfen uns Vergleiche mit Lateinamerika oder überstrukturierten Pfarrverbänden in Westeuropa nur wenig. Die Wunden des 20. Jahrhunderts sind tief. Es gibt nicht wenig Gutes zu sehen, aber man muss mit dem Herzen schauen können.
Vor 23 Jahren blühte auch hier das kirchliche Leben wieder auf. Die 120.000-Einwohner-Stadt auf halbem Weg zwischen Saratow und Wolgograd bekam ihren eigenen katholischen Pfarrer. (Schon ein paar Jahre vorher war Kamyshin Außenstation von Marx, 280 km entfernt. Wolgadeutsche, die 1941 deportiert worden waren, kehrten hierher zurück. Es waren nie weniger als 30 Gläubige, die ich, damals in der Wohnung bei Familie Etzel antraf, wenn ich mit Schwestern zur Katechese, Beichte und Messe kam.) Mit slowakischen Arbeitern, die über Verträge für ein paar Jahre nach Russland gekommen waren, baute der (selbst auch slowakische) Pfarrer, teilweise in deren Freizeit, eine  einfache, "richtige" Kirche.
Inzwischen bin ich wieder zu Hause. Dem Wolgograder Vikar und dem Saratower Pfarrer, die mich je 200 km in ihren Autos begleitet haben, bin ich dankbar für ihre Demut, mit der sie mir das Lenkrad überließen. Ich tue mich manchmal schwer damit, Beifahrer zu sein.