Mittwoch, 21. Januar 2015

Gut zu wissen

Acht Jahre lang, von 1993 bis 2001, war der aus Nordirland stammende Salesianerpater Thomas Donaghy Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde in Samara, der größten Stadt im Bistum Sankt Clemens. Es war die Pionierzeit des Wiederaufbaus kirchlicher Strukturen in Russland. Wir waren befreundet. Als älterer Priester, war er unter den Mitbrüdern ein gefragter Beichtvater. Trotz seines starken irischen Akzentes, verstand ihn seine Pfarrgemeinde gut und hatte ihn überaus gern. Er starb heute vor 5 Jahren. Seine Lebensgeschichte war den wenigstens bekannt: 
Father Thomas wurde am 9. Juli 1933 in Nordirland geboren. Er trat dem Salesianerorden bei und wurde 1962 zum Priester geweiht. Seine ersten pastoralen Erfahrungen machte er in England. Als Seelsorger in London widmete er sich besonders den Armen in den Slums der Stadt. Später wurde er nach Farnborough versetzt, die Stadt, die durch ihre jährlichen Air Shows bekannt ist. 1968 bat ihn sein Orden nach Südafrika. In Cape Town assistierte er acht Jahre lang einem älteren Priester. Dann bekam er die Seelsorge für eine großflächige Pfarrei übertragen und sollte ein Pfarrzentrum bauen. Schwierigkeiten in der Seelsorge bereitete zu dieser Zeit besonders das Apartheid System. Pater Thomas bemühte sich um die Einheit der Gläubigen, unabhängig von deren Hauptfarbe. 1976 wurde ihm die Pfarrei in Hanover Park, einer sehr armen Stadt mit berüchtigten Banden übertragen, Auch hier musste er bauen: ein Pfarrhaus und ein Gemeindezentrum. Sein Orden schreibt: "Hier verbrachte er acht sehr glückliche Jahre." Seine letzte Station in Südafrika war Johannesburg - seit 1986. Als die Salesianer in Russland begannen, sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion an der Wiedergeburt religiösen Lebens im Land zu beteiligen, erklärte sich auch Thomas Donaghy zum helfen bereit. Der fast 60-Jährige traf 1992 in Moskau ein und wurde im Februar 1993 mein Nachbar, nämlich Pfarrer im 360 km nördlich von Marx gelegenen Samara. Dort wirkte er bis August 2001. Er war ein demütiger, immer zum Scherzen aufgelegter und zum Zuhören bereiter Priester. Aus gesundheitlichen Gründen kehrte der Missionar 2001 in seine Heimat zurück, hielt es da aber nicht lange aus und kam zurück nach Moskau. Erst als seine unheilbare Krankheit an die letzten Kräfte ging, kehrte er zu seinen Geschwistern nach Dungiven zurück. Wenige Tage vor seinem Tod sprach ich am Telefon mit Pater Thomas. Aus seiner Stimme sprachen Freude (wie immer) und christliches Vertrauen. Lieber Pater Thomas - ruhe in Frieden!