Montag, 12. Januar 2015

Montag in Novotroizk

Bin pünktlich nach Hause gekommen und werde nicht mehr viel schreiben. Am Morgen feierte ich Hl. Messe in Novotroizk, der größten Außenstation von Orsk. Acht Leutchen waren gekommen. Eine Großmutter holten wir von zu Hause ab. Der Schnee an ihrer Haustüre lang so hoch, dass sie die "Stufe" kaum schaffte. Novotroizk an der Grenze zu Kasachstan hat fast 100.000 Einwohner und erinnert an die Mitte des letzten Jahrhunderts. Nur die bunten Werbeplakate sind hinzugekommen. Ansonsten, alles alt: orangefarbene zwei- bis dreistöckige Arbeiterwohnhäuser, breite Straßen, mehrfach überpinselte Straßenbahnen, die ausgedienten Panzerfahrzeugen gleichen, brauner Qualm aus den Industrieschornsteinen, ein riesiges Lenindenkmal, Schrott und Schmutz. "Der Martin ist stillgelegt", sagen die Leute, und meinen einen Schmelzofen. Da gebe es weniger Dreck in der Luft.
Wegen der unter minus 20 Grad, bekamen die Kinder der 1. Klasse heute am ersten Schultag im neuen Jahr Kältefrei. Da mussten die Zwerge bei dem Frost wieder nach Hause tippeln.
Ich war 1991 erstmals hier. Da war Novotroizk Außenstation von Marx. Nach zwei Tagen im Auto tauchten wir damals bei der Ortseinfahrt in eine Wolke, in der ich lieber den Atem angehalten hätte. Die Messe war damals auf Deutsch.
Tagsüber war heute noch Zeit reserviert für Gespräche mit dem Pfarrer und mit der Oberin der hiesigen Schwesterngemeinschaft. In Orsk stehen personelle Veränderungen bevor, weil Pater Zenon, der Pfarrer, zum Oberen der Delegatur seiner Ordensgemeinschaft gewählt wurde. Er wird viel reisen müssen, was nicht zum Pfarrer-Sein passt. Mein Abflug nach Moskau verzögerte sich zwar wegen Schneefalls. Zum Umsteigen reichte die Zeit schließlich trotzdem. (Das Foto ist übrigens schon einen Tag alt: zwei der gestern Gefirmten, Monika und Veronika. Sie sind Geschwister).
Nun steht eine Woche mit verschiedenen Gästen und Begegnungen bevor. Davon Stück für Stück, demnächst.