Donnerstag, 19. Februar 2015

Hinter jedem Brief steckt ein Mensch

Das bin ich leider nicht, da auf dem Bild, auch wenn ich es gestern selbst geschossen habe: Ein Angler war mit seinem Motorschlitten weit hinaus auf die Wolga gefahren, bevor er das ca. 15 cm breite Loch ins tiefe Eis bohrte und seine Angelschnur in den über 20 m tiefen Fluss hinab ließ. Die Wolga ist hier bei uns mehrere Kilometer breit. Bei seiner Rückkehr laufen dem Mann streunenden Hunde nach, die den ganzen Winter über im Freien leben. - Ich hingegen sitze auf meinem Bürostuhl und habe den ganzen Tag mit Post zu tun. Es ging da heute u.a. um einen kaum versicherten indonesischen Priester, der hier in Russland eine Herzoperation braucht, um Eigentumsfragen einer Kirche, um einen Text für unser Bistumsjournal, um eins der in letzter Zeit häufigeren Schreiben aus westeuropäischen Ländern, in denen um die Bestätigung von Taufen geht, weil jene, jetzt dort Wohnenden gefirmt werden oder heiraten wollen. Zum ich weiß nicht wievielten Male stellt sich dann hier sofort heraus, dass es sich um orthodoxe Christen handelt, die sich "der Einfachheit halber" als katholisch ausgeben. Die nächste Skype-Sitzung unserer Bischofskonferenz war auch noch kurz ein Thema, ebenso eine Sitzung des Rates nationaler und religiöser Gemeinschaften in Saratow, meine morgige Reise nach Baschkirien usw. Manchmal müssen wir an unseren Schreibtischen aufpassen, dass wir nicht zu Beantwortungsrobotern werden.
Übrigens meldet sich der Frühling schon langsam bei uns an: Am Morgen hatten wir zwar wieder minus 22 Grad, aber tagsüber, in der Sonne, taut der Schnee auf den Dächern.