Montag, 16. Februar 2015

St. Theresia - Kamyshin


Eigentlich ist es nur die allsonntägliche Zugabe zum Seelsorgedienst des Pfarrers in Saratow, dennoch möchte ich eben davon berichten: Kamyshin. Eine Stadt mit knapp 130.000 Einwohnern, genau in der Mitte zwischen Saratow und Wolgograd. Unsere dortige Pfarrer St. Theresia vom Kinde Jesu hat keinen eigenen Pfarrer mehr. Mit der Auswanderung der Deutschen aus Russland ist sie auf höchstens 15 bis 20 Gottesdienstbesucher am Sonntag geschrumpft. An diesem Wochenende, einschließlich heute, Montag, vertrete ich den abwesenden Pfarrer in Saratow. So kam mir gestern Nachmittag, nach Beichten und Gemeindemesse in der gut gefüllten Kathedrale, auch die Außenstation zu: 200 km bergauf-bergab am rechten Wolgaufer gen Süden, streckenweise Glatteis, Schneewehen, schwer zu überholende LKWs. Ich war rechtzeitig losgefahren und hatte sowohl vor wie auch nach dem Abendgottesdienst Gelegenheit, einige der "Gemeindemitglieder", "Gläubigen", ... ich suche eigentlich ein noch passenderes Wort, kennenzulernen. Es ist immer wieder eine Freude, wenn man Menschen begegnen darf, die sich Mühe geben, Christen zu sein und da, wo es in ihrem Alltag nötig ist, auch gegen den Strom zu schwimmen. Zeit für Fotos war nur unterwegs: 1.) "Bergauf-bergab gen Süden", 2.) Die Pfarrkirche wurde vor 20 Jahren, teilweise mit Hilfe slowakischer Arbeiter, deren Firma in Kamyshin einen Vertrag hatte, in deren Freizeit, gebaut. 3.) Mittwochs und freitags versammelt sich die Gemeinde ohne Priester zum Gebet in ihrer einfachen, asbestbedeckten Kirche. Die Kirchenfenster bestehen aus einfachen, mit Farbe bemalten Glasscheiben 4.) Zwischen dem roten Nachthimmel über Kamyshin und dem Leuchten Saratows (5.) liegen 190 km finsterer Landstraße.
Ich kehrte 23.30 Uhr nach Hause zurück. "Und das macht der jeden Sonntag!" dachte ich so bei mir über den Pfarrer, während ich den inneren Buchhalter nach den Benzinkosten fragen hörte, den Arzt nach dem "wie lange sowas wohl gut gehen kann" - und den Seelsorger dem Herrn  danken hörte, für eine Möglichkeit, auf die Menschen in diesem Land 70 Jahre lang gewartet hatten.