Dienstag, 24. Februar 2015

Wenn Steine reden könnten ...


Vor dem Sitzungstag unserer Kommission hatte ich den schon angereisten Jugendseelsorgern einen Tagesausflug in Geschichte und Natur angeboten. Einen Höhepunkt bildete der Besuch der ehemaligen katholischen Kirche im Dorf Kamenka (einst, zeitweise: Bähr). Erbaut wurde sie 1906-1907 von P. Alexander Staub, der aus dem heutigen Marx an der Wolga stammte. Die Dorfbewohner waren stolz auf ihre Kirche, unter anderem, auf die Spannweite der hölzernen Dachkonstruktion. Nur etwa 20 Jahre wurden in dieser Kirche heilige Messen gefeiert, dass Bußsakrament gespendet, Paare getraut, Kinder getauft, gepredigt, gesungen. Der dritte Pfarrer war der letzte (bis 1926). Dann brach die wütende Walze gegen Gott und seine Freunde über das Land herein. Wenn die verbliebenen Steine dieser großen, schönen Kirche reden könnten, ... sie würden dabei wahrscheinlich viel weinen. 
Zu Mittag aßen wir in der Pfarrei in Kamyshin, wo uns die dort wohnende Katechetin erwartete. Seit es dort keinen eigenen Pfarrer mehr gibt, hält sie die Gemeinde zusammen. Das heißt, seit 10 Jahren. Kamyshin liegt genau in der Mitte zwischen den 400 km voneinander entfernten Pfarreien in Saratow und Wolgograd. Einen landschaftlich beeindruckenden Moment erlebten wir auf dem Rückweg an der Wolga: blauer Himmel, weißes Eis, 15 km breit. Zur Abendmesse erreichten wir die Kathedrale in Saratow, pünktlich, versteht sich.