Samstag, 9. Mai 2015

Gelungene Hilfe zur Selbsthilfe

Als ich am Nachmittag die hier in Orenburg tätigen Ordensschwestern besuchte, klingelte es an deren Haustür. Ohne dass ich vorher davon wusste, kam eine Mutter mit siebenjährigen Zwillingen zur Tür herein, um bis morgen im Kloster zu bleiben und an der Sonntagsmesse teilzunehmen. Sie wohnt in einem Dorf, das 120 km von der Stadt entfernt liegt, wusste, dass ich an diesem Wochenende hier bin und kam mit dem Linienbus, um sich zu bedanken. Wir hatten ihr vor - ich glaube - 5 Jahren geholfen, ein Studium aufzunehmen. Jetzt hat sie es abgeschlossen und muss nicht mehr für 2000 Rubel im Monat (35 Euro) als Reinigungskraft im Kolchos arbeiten, sondern wird als Buchhalterin angestellt, wodurch sie viermal mehr verdient, so dass es zum Leben für sie und ihre Zwillinge im Dorf reicht. Diesen Dank möchte ich an den Sankt Clemens Verein weitergeben. Im Gespräch erfuhr ich viel Interessantes, z.B. dass ihre nie getaufte Mutter eines Tages zur Tochter sagte: "Sucht Euch eine Kirche, damit Ihr an Gott glauben könnt." Sie hörte auf ihre Mutter, fand zu uns und begann, zur Katechese zu kommen. Später liess sie sich taufen und gehört nun längst zur Pfarrgemeinde, auch wenn sie "nur" (wie man hier sagt) 120 km von der Kirche entfernt wohnt.