Samstag, 20. Juni 2015

Erstkommunion in Karsun, 100 km von Uljanowsk

Erstmals besuchte ich Karsun, das zur Pfarrei in Uljanowsk gehört. Der Weg war weit. Die Straßen - unerwartet schlecht. Die katholischen Familien in Karsun, einer dorfähnlichen Siedlung, sind Armenier, gute Leute. Ich bin Pater Ezequiel dankbar, daß er sich um sie kümmert, und daß er mich heute mitgenommen hat. In einer Wohnung feierten wir Erstkommunion von vier Mädchen. Es waren an die 50 Personen gekommen. Im Winter, wenn die Männer mit ihren Lkw's nicht arbeiten, seien es noch viel mehr. Vorbereitet hatte die Kinder eine Katechetin aus Uljanowsk. Gefeiert wurde, auch nach der Messe, gemeinsam.
Aus dem Wohnzimmer war anfangs eine Kapelle geworden, später ein Speisesaal. Ich sage "anfangs" und erinnere mich, wie die jungen Frauen begannen, den Rosenkranz zu beten, während Pater Ezequiel ins Beichtzimmer (eins der Schlafzimmer der Dreiraumwohnung) ging. Ein paar Minuten später wurde auch ich gebeten, zur Beichte anzunehmen. Man überließ mir das zweite Schlafzimmer. Kinder und Erwachsene gaben sich die Klinke in die Hand.
Mehr als eine Stunde später trafen wir zwei Priester uns dann zum Anlegen der Messgewänder. Ich machte mich kurz mit den vier Mädchen bekannt, die auf ihre erste heilige Kommunion warteten, (damit das Predigen leichter würde). P. Ezequiel überließ mir das etwas dünnere Messgewand. Hitze und Luftfeuchtigkeit erinnerten mich an die Sommer in Tadschikistan.
Nachdem alle Fotos nach dem Ende der Messe gemacht waren, wurde aufgefahren, armenische Küche. Der große Tisch reichte nicht aus, um alles zu fassen, was zubereitet war. Teller standen übereinander, nicht leere, volle! Wer nicht ins Zimmer passte, setzte sich in die Küche. Eine Mutter hatte für die vier Erstkommunion-Kinder eine Torte gebacken. Ob die vier Mädchen miteinander verwandt seien, fragte ich sie. Ich bekam eine positive Antwort. "Schwestern oder Cousinen?" fragte ich weiter. - "Nein, nicht so", antworteten die Mädchen.
Diese kleine Außenstationsgemeinde versammelt sich jedes Mal bei einer anderen Familie, reihum. Viele haben Kranke oder andere Sorgen in der Familie. Sie beten und sind einfache Leute. Einst waren die Familien aus Georgien hier her gezogen, weil es Arbeit in der Siedlung gab. Das hat sich geändert. Darum sind die meisten Ehemänner im Sommer nicht da. Fast typisch für Armenier und Russland, hat jeder einen Lkw, mit dem er irgendwo in Moskau auf einer Baustelle arbeitet.
Zurück durfte ich den Pfarrei-Bulli fahren. Manchmal ist das leichter für mich als "daneben" zu sitzen. Und wenn es der Pfarrer anbietet,...  Am Abend gestand Pater Ezequiel, dass er manchmal fast einschläft, wenn er zu dichtes Programm hat.