Sonntag, 28. Juni 2015

Hinter den Kulissen

Beim kurzen Sortieren der Fotos vom Wochenende, habe ich mir zwei eher zufällige Bilder in mein Saratower Archiv mitgenommen, die ein wenig, dafür aber konkret, vom Klosterleben in Marx erzählen. Dass die Schwestern viel beten ist wahr, bekannt und Grund zum Danken für uns alle. Sie haben aber unter anderem auch Pflichten in der Pfarrei und Unterricht zu Hause, denn in Marx ist das Noviziat der Ordensgemeinschaft beheimatet. Nebenbei haben die beiden Novizinnen mit ihrer Oberin gestern Kirschen eingekocht, in Drei-Liter-Gläser. Am Vormittag hatten sie draussen vor der Stadt in seit Jahren verlassenen Schrebergärten gepflückt, was sonst nur die Vögel interessieren würde. Am Abend standen - ich weiß nicht, wieviele - große Gläser in Decken eingepackt, damit sie beim Abkühlen nicht platzen, auf dem Küchenfussboden. Der Inhalt nennt sich hier zwar "Kompott", ist aber eigentlich ein Getränk. Kirschmost aus der Saratower Gegend ist - ich will nicht übertreiben - in ganz Russland bekannt und geschätzt. Das, was die Schwestern jetzt einkochen, muss für ein ganzes Jahr ausreichen, und zwar nicht nur fürs Kloster. Auch ich bin unter den Verbrauchern. (-:
Am heutigen Sonntag, als alle Katechesen nach der Sonntagsmesse zu Ende waren und wir uns nach dem Mittagessen von den Gästen aus Deutschland verabschiedet hatten, und als eigentlich etwas Zeit zum Ausruhen dran gewesen wäre, begann eine sehr ausführliche und unaufschiebbare Dienstbesprechung. Letzte Nacht war Pater Tomasz, der Pfarrer, mit Jugendlichen von einer Sechs-Tage-Fahrt aus Kalmykien zurückgekommen. Heute ist offizieller Praktikumsbeginn für unseren Seminaristen Denis, hier in der Pfarrei in Marx. Übermorgen beginnt der zweite Druchgang der Religiösen Kinderwochen in der Pfarrei. Da gab und gibt es noch viel vorzubereiten. Nach der zweieinhalbstündigen Planungsrunde fuhren einige sofort zu einer Familie, in der heute Nacht ein junger Mann verstorben war. Üblicherweise werden die Verstorbenen bis zur Beerdigung zu Hause behalten, auch jetzt im Sommer Oft möchten die Hinterbliebenen an solchen Tagen (und in den Nächten) beten, aber sie wissen nicht immer, "wie das geht". Darum eilen die Schwestern zu Hilfe.