Sonntag, 5. Juli 2015

Saratower Sonntag

Nach dem Ostersonntag war es heute das erste Mal, dass ich die Sonntagsmesse mit der Pfarrgemeinde in unserer Saratower Kathedrale feierte. Zwar bin ich an den Wochentagen öfters hier, aber dann kommen natürlich vergleichsweise wenige zum Gottesdienst. Den Monat Juli hatte ich mir bewusst weitmöglichst von Reisen freigehalten, nicht zuletzt, weil sowohl unser Seminarist Denis aus Frankreich, als auch unser Kaplan, ebenfalls Denis, aus Italien, zurzeit hier sind, der eine zum Praktikum, der andere im Urlaub. Unsere afrikanischen Studenten fielen mir am Morgen auf. Im Gespräch nach der heiligen Messe stellte sich heraus, dass noch mehr als ich erwartet hatte, nur noch auf die Aushändigung des Diploms warten, bevor sie in einigen Wochen in ihre Heimatländer zurückkehren werden. Schade, einerseits. Aber doch auch eine Freude für sie und ihre Familien, andererseits. Die meisten kehren als Ärzte nach Afrika zurück. Eine Jugendliche "verabschiedete" sich für ein paar Tage von mir, weil sie zum ersten Mal nach Marx ins "Haus der Stille" gehen würde, schon ab heute Abend. Sie fragte nach letzten Tipps, die ich ihr geben könne, damit sie nicht umsonst ihre Zeit dort verbringen würde. Trotz meiner langen Sonntags-Abwesenheit, fielen mir - wie einem Gemeindepfarrer - auch die auf, die nicht da waren: das Rentner-Ehepaar, das sich im Sommer nach altem sowjetischen Brauch, sonntags auf seiner Datsche erholt, die Wallfahrer, die morgen im Kleinbus aus Budslaw in Weißrussland zurückkehren müssen, sicher mit einer wunderschönen Erfahrung von Kirche als großer Gemeinschaft, der Ministrant, der es 100 %-ig verschlafen hat, weil seine Mutter, von Beruf Zugbegleiterin, ein paar Tage auf Arbeit, sprich unterwegs, ist, die Armenier, die im Sommer ihre Verwandten im Kaukasus besuchen, ...