Mittwoch, 1. Juli 2015

Zum Lachen oder Weinen

Es sind natürlich nicht immer Erfolgsmeldungen, die einen Tag beschließen. Seit 26. Juni funktionierte mein Telefon nicht mehr. Stattdessen erklang bei jedem Wählen im Hörer eine monotone Frauenstimme: "Ihre Linie ist wegen ausgebliebener Bezahlung abgeschaltet". Als mir Schwester Marina sagte, dass sie pünktlich wie jeden Monat bezahlt habe, vertiefte sich das Problem. Ihr blieb nichts anderes übrig, als beim staatlichen Anbieter anzurufen. Nach einigem Hin-und-her legten die noch eins drauf: Ich hätte den Vertrag gekündigt. Schließlich ließ man mir keine andere Wahl, als (unbedingt) persönlich in der Zentrale vorzusprechen. Heute, sofort nach dem Mittagessen, brach ich auf, in der irrigen Hoffnung, dass die Staus da noch nicht so groß seien. Dann die Wartezeit am Schalter: Fünf von siebzehn Schaltern der Großstadttelefonzentrale waren besetzt. Für die Leute in der langen Warteschlange gab es WI-FI kostenlos. Zwei Minuten vor Dienstschluss steig ich schließlich wieder aus dem Auto vor meinem Büro. Die Uhrzeit weiß ich so genau, weil mein Blick beim Aussteigen auf die 17 Jahre alte Armbanduhr fiel, die mir ein deutscher Priester kurz nach meiner Bischofsweihe geschenkt hatte, weil ich damals keine hatte. Was war nun mit dem Telefon? "Sie haben wirklich den Vertrag nicht gekündigt? Sie sind nicht zufällig umgezogen? Soll ich einfach wieder anschalten? Die Maschine hat einen Fehler gemacht." - "Wiederseh'n." - Ein halber Arbeitstag! Zum Trost traf ich im Büro noch den Generalvikar an. Wir hatten uns heute auf Arbeit nicht gesehen, weil er von früh an - einen ganzen Arbeitstag - bei der Verkehrspolizei nach seinem neuen Führerschein angestanden hatte. Ob die Dame in der Telefonzentrale mit wenigstens einem Wort um Entschuldigung gebeten hätte, fragte er. Und wir lachten, statt uns über eine Antwort zu grämen.