Samstag, 18. Juli 2015

Zum Mit- und Nachdenken

Anfang der 90-er Jahre waren viele Flüchtlinge aus Tadschikistan zu uns an die Wolga gekommen. Der Bürgerkrieg warf sie wie eine große Welle aus dem Land. Was sie mitbrachten, hatte Platz in zwei Reisetaschen. Sie mussten sich sehr umstellen. Lange lebten sie in Klassenzimmern einer Schule, drei Großfamilien pro Zimmer, bevor die Häuser in Stepnoje fertig waren. Aber auch das war nicht die Erlösung. Arbeitslosigkeit, Alkohol, trockenes Klima - im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt, Konflikte mit den Einheimischen, Wassermangel, Kartoffelkäferplage, ungültige Pässe ... Die Probleme schienen kein Ende zu nehmen. Jeden Mittwoch Abend und aller 14 Tage sonntags, waren wir damals draußen bei den Leuten, 48 km östlich von Marx. Dieser Tage schickte ich einer jungen Mutter drei Fotos aus jener Zeit, als sie selbst ein siebenjähriges Flüchtlingskind war. Heute kam ihre Antwort: "Danke für die Fotos. Sie haben mich an meine Kindheit erinnert. Ich musste weinen. Was waren wir damals lustig! Mir ist nichts aus jener Zeit geblieben. Jetzt werde ich meinen Kindern Fotos von damals sammeln, als Andenken. Vorerst verstecke ich sie noch vor ihnen."