Freitag, 31. Juli 2015

Arme kinder...reiche Familie

"Wie sich die Ärzte irren können", sagte uns heute die Mutter (hinten im Bild) des kleinen, inzwischen fünfeinhalb Kilo schweren und im Großen und Ganzen gesunden Mädchens, hier auf dem Arm seines Vaters. Ihre Stimme war ruhig dabei, ohne denen etwas unterstellen zu wollen, die sie vor einigen Monaten in Panik hätten versetzen können. Nach einer Ultraschall-Untersuchung hieß es damals: Das Kind würde einen schweren Herzfehler haben, nur eine Niere und keine Nase. Erst nach der Geburt wurde die Fehlinformation zugestanden. Das kleine Mädchen hat vier Brüder. Die Familie wohnt ärmlich in einem ehemaligen, ziemlich heruntergekommenen wolgadeutschen Dorf mit dem einfach ins Russische übersetzten Namen Podlesnoe (früher: Unterwalden). Einst besuchte ich Podlesnoe als nahegelegene Außenstation meiner Marxer Pfarrei. Viele 1941 nach Kasachstan und Sibirien deportierte Deutsche, bzw. solche, die schon dort geboren waren, kamen in den 80-iger und 90-iger Jahren hierher in die Heimat ihrer Vorfahren zurück, dann aber zogen sie weiter gen Westen. Das langgestreckte Dorf hat (wenn ich heute richtig gezählt habe), fünf parallele Straßen. Es war also ein großes Dorf. Nun hat sich Alexander, der Vater der siebenköpfigen Familie, den ich bereits als Jugendlichen kannte, auch noch die linke Hand angebrochen und bekommt, weil es "glücklicherweise" am Arbeitsplatz passiert ist, zumindest das halbe Gehalt, solange er krankgeschrieben ist, umgerechnet ca. 60 Euro. Die Schwestern aus Marx, helfen mit, dass es weitergeht. Ich besuchte heute diese und die Nachbarfamilie, weil sich die Elternpaare auf die Trauung vorbereiten möchten.