Mittwoch, 26. August 2015

Lieder

Beim Zwischenstopp, gestern in Dar es Salaam, wollte mich der Chorleiter der Jakobusgemeinde noch einmal treffen. Ich hatte den Sängern am Sonntag die neue Weihnachts-CD der Marxer und Saratower Kinder geschenkt. Inzwischen hatten sie sich die Lieder angehört. Nun wollten sie ihre Freude und ihren Dank ausdrücken und brachten ihre eigene CD. Die habe ich jetzt im Gepäck nach Hause, von wo mich nur noch 80 Flugminuten (und vorher drei Stunden Wartezeit) trennen. 
Das sind andere Dimensionen als bei uns: St. Jakobus ist Außenstation einer der Pfarrgemeinden Dar es Salaams. Sonntags zur ersten Messe (6.30!!) kommen ca. 300 Gläubige, anschließend nochmal so viele. Es gibt einen Super-Chor, der mit Hingabe singt, natürlich einen Pfarrgemeinderat u.v.m. Jeden Sonntag gibt es eine zusätzliche Kollekte für die Erweiterung der Kirche. Zurzeit sitzt die Hälfte der Leute draußen, auch in der Regenzeit. Schon für mich war zu erleben, dass auch in Tansania Kirche zu Hause ist. Niemand eilt nach "erfüllter Sonntagspflicht" nach Hause oder zur Arbeit.
 Die schon vergangenen Flugstunden gaben mir erstmals Gelegenheit zu reflektieren. Dies war natürlich keine Dienstreise, sondern ein Besuch bei "einem ehemaligen Pfarrkind", Urlaub. Die Dankbarkeit der Familie und anderer, z.B. der Fokolaregemeinschaft, zu der Edward gehört, einzelner Gläubiger nach den Gottesdiensten, alter italienischer Ordensschwestern, eines Priesters, jenes Chores - natürlich, und die Dankbarkeit Edwards selbst, der jetzt als Arzt in einem entlegenen Krankenhaus arbeitet, beschämte mich. Für Edward war mein Besuch eine Begegnung mit der Vergangenheit, von der etwas in ihm lebendig geblieben ist. Bis heute schaut er manchmal auf die Uhr und erinnert sich: "Jetzt fängt in Saratow die Messe an", erzählte er mir. Ich habe gespürt, da ist mehr. Für Edward war die Zeit in Russland eine tiefe Glaubenserfahrung. Und er hat Sehnsucht danach.