Freitag, 4. September 2015

Aber selbstverständlich!

Pater Janusz hat sich gut auf die Visitation in seiner Pfarrgemeinde vorbereitet. Am Morgen, nach der heiligen Messe, traf ich mich mit verschiedenen Gebetsgruppen. Der jüngste Teilnehmer des Treffens war ein Junge im Vorschulalter, der täglich ein Gesätz vom Rosenkranz betet und sogar seine Grosseltern daran erinnert, falls die nicht pünktlich daran denken. Noch vor dem Mittagessen machten wir gemeinsam mit dem Pfarrer einen Krankenbesuch in der Stadt, und zwar bei der Frau (87), die ich vor ein paar Jahren gefirmt habe, und die damals auf die liturgisch vorgesehene Frage "Glaubst du an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde?" statt des üblichen "Ich glaube", ganz einfach, frei und von Herzen lächelte, mich anschaute und antwortete: "Aber selbstverständlich." Adelina heisst sie. Sie ist sichtlich herzkrank und hat sich sehr über den Besuch gefreut. Wir haben lange auf dem Sofa gesessen und viel erzählt, nachdem sie die Krankenkommunion empfangen hatte. Zwischendurch begann ich, im Pfarrhaus Dokumente durchzuschauen, wie das bei Visitationen üblich ist. Schwerpunkte am Nachmittag waren der Besuch in einem unserer Kinderzentren, das hier in Vladikavkaz in einem schwierigen Stadtbezirk, in Schule Nummer 29 untergebracht ist, ein Besuch bei der Caritas und ein Gespräch mit den engsten Mitarbeitern und Helfern des Pfarrers. Trotz verschiedener Nöte und Schwierigkeiten, kamen dabei auch so lustige Episoden aus dem Leben unserer ausländischen Seelsorger zur Sprache, dass wir uns manchmal vor Lachen kaum halten konnten. Der Abend ist frei für Arbeit mit Papieren etc. Es ist meine erste "richtige" Visitation seit Jahren. Gut, dass ich zwölf Helfer habe, die mir einen grossen Teil dieser Arbeit abnehmen, denn bis Ende des Jahres sollen alle Pfarreien im Bistum visitiert sein.