Montag, 21. September 2015

Entgegenkommen


Manchmal gibt es Dinge, die man persönlich und direkt besprechen muss, nicht vermittelt durch Telefon, Skype oder gar schriftlich. Das war der Grund für meine heutige "Dienstreise" mitten in die Natur. "Ins Grüne" kann man jetzt im Herbst nicht mehr sagen. Ins Bunte? Ich war dem Provinzial einer Ordensgemeinschaft seit dem Morgen, vor Sonnenaufgang, entgegen gefahren, damit er wegen des einen Gesprächs mit mir, nicht den ganzen Weg bis nach Saratow machen musste. Und er kam mir entgegen. Ich wusste weder, mit was für einem Auto er fährt, noch kannte ich sein Nummernschild. Wir hatten uns gestern aber gegenseitig über unsere Abfahrtszeiten informiert und ein Handy für den Notfall dabei. Schließlich erkannten wir uns, als wir aneinander vorbei fuhren. Kurz darauf wendete jeder von uns beiden. Dann bogen wir auf einen Feldweg ab und begannen unser Gespräch in der sonnig herbstlichen Landschaft im Bistum Sankt Clemens. Eine halbe Stunde später war jeder von uns beiden auf dem Weg zurück, nochmal Hunderte Kilometer. Es war wichtig gewesen und gut so.
Einmal wurde ich auf dem Rückweg von der Verkehrspolizei gestoppt. Zu schnell gefahren? Wie es sich gehört, reichte ich dem Uniformierten Führerschein und Zulassung hin. "Brauch' ich nicht", lächelte der. Er wollte eine Tüte mit irgendwas drin mitgeben, bis in die nächste Stadt. Dort würde jemand am Straßenrand stehen und darauf warten. Als selbstbewusster Deutscher hätte ich ihm doch wohl eine Abfuhr erteilen sollen? Unverschämt! Wie kann man seine Dienststellung so ausnutzen! - Einwilligen aus Angst, dass bei einer Absage hinter dem nächsten Baum einer steht, der mich anhält und unendlich lange kontrollieren wird, wenn ich nicht zahle, - wäre das Gegenteil. Also? Weder - noch! Ich entschied mich für die (vermutliche) Antwort von Papst Franziskus: "Armer Kerl. Dann gib' mal her..." Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. (vgl. Lukas 6,36); (-: