Sonntag, 27. September 2015

Still

Eine der typischen Alexejewka-Erfahrungen, die ganz nebenbei, unweigerlich beeindruckt: Du öffnest das Fenster, nachts oder am Morgen, und draußen ist es absolut - absolut - still. Wie ein Geräusch-Vakuum, wie das Weltall, das Nichts,...  oder auch Gott. Probieren Sie's! Öffnen Sie aus einem relativ lautlosen Raum ein Fenster. Immer gibt es Geräusche oder gar Lärm von draußen. Jene Alexejewka-Erfahrung mache ich nur einmal im Jahr. Das macht diesen Ort am Rande des Bistums, "am Rande der Welt" zu einer Mitte ganz seltener Art. Wer hier bewußt lebt, wird sagen: Man muß sie aushalten, und man kann sie lieben. Die Stille ist ein Ort der Begegnung mit sich selbst, mit dem Schöpfer und seiner Schöpfung. Fragen, Freude, Sinn,... Im Blick auf das bald beginnende Heilige Jahr möchte ich denen, die hier leben und denen, die für eine Zeit hierher kommen, wünschen, dass sie die Pforte der Barmherzigkeit finden, die ins Herz führt, nach Hause, wo sie - mit einer Formulierung, die Papst Franziskus gern gebraucht - der barmherzige Vater umarmt.
Alexejewka (Baschkortostan), am Sonntagmorgen, dem letzen Tag meiner Gemeindevisitation in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, in der ein Priester, zwei Brüder und drei Schwestern der "Familie Mariens"- junge Leute aus Amerika, aus der Slowakei, der Schweiz und Österreich - ein frohes, treues Glaubenszeugnis geben.