Samstag, 10. Oktober 2015

An der Bushaltestelle

Leider nicht speziell, um dem Papst nachzueifern, sondern aus einfachen, praktischen Gründen, fuhr ich heute früh mit dem Linienbus (Shuttle, 20 Personen) von Marx nach Saratow. Es kostete genauso viel wie das Benzin für's Auto gekostet hätte, (nur stand mein Auto in Saratow). Es dauerte doppelt so lange, (zwei Stunden statt einer). Aber es war natürlich interessant. Und außerdem waren Zeit und Ruhe zum Nachdenken und Beten, wie ich sie am Steuer doch nicht gehabt hätte. Ich weiß nicht, wie oft diese Shuttles am Tag die Strecke fahren. Vor ungefähr zwei Jahren waren sie neu. Das kann man jedenfalls nur noch schwach erahnen. Der junge Fahrer in Pudelmütze kaute auf einem Zahnstocher, hielt das Lenkrad mit links und telefonierte mit rechts, während er durch die dreimal gesprungene Frontscheibe schaute und nicht schlecht auf's Gaspedal trat. Im Grunde waren wir nach einer Stunde in Saratow. Die zweite kam zustande, weil ich am Bahnhof ausstieg und von dort mit dem Oberleitungsbus in die Parallelstraße zum Büro weiter fuhr. Eigentlich sollte ich heute in Nizhnekamsk sein und morgen in Kazan. Dem Pfarrer war meine Bitte um Aufschub sogar ein wenig recht, weil es kalt bei ihm ist und die Heizung noch nicht funktioniert. Meinerseits war der Aufschub nötig, weil ich sonst zu wenig im Büro bin, was mir Sorgen macht und auch manchmal "Gewitterwolken" im Westen aufziehen lässt. Ab kommenden Dienstag bin ich trotzdem viel unterwegs. Noch zum Foto: Vor dem Einstieg in Marx, direkt an der Bushaltestelle, konnte ich einen Blick auf den wiedererrichteten Turm der evangelischen Kirche im Stadtzentrum werfen. Im Gegensatz zu unserer katholischen Kirche, die ihr gegenüber stand, wurde die evangelische Kirche nicht abgerissen, sondern diente lange Zeit als eines der allgegenwärtigen "Kulturhäuser" in der Sowjetunion.