Montag, 5. Oktober 2015

Ein Kloster unter der Erde

Auf der Heimfahrt von Kalitva nach Woronezh machte Pater Marek, der Pfarrer, gestern einen Umweg mit mir, der uns eine Stunde kostete. Der Kapuziner wollte mir das Erlöser-Höhlen-Kloster in den Kreidefelsen bei Kostomarovo zeigen. Eigentlich wäre ich lieber direkt nach Woronezh gefahren. Es gab noch Arbeit. Schließlich aber habe ich den Exkurs nicht bereut. Die Sonne war gerade untergegangen. Eine alte orthodoxe Schwester betrachtete uns leicht skeptisch, als wir das Gelände betraten. Die Höhlen gehen auf Mönche im 17. Jahrhundert zurück, vielleicht sogar - wie manche sagen - auf das 8. Jahrhundert, was gravierende Folgen in der Geschichtsschreibung hätte. Ein Ort der Stille, der auch schwere Zeiten erlebt hat: zum Beispiel die 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts und den Zweiten Weltkrieg. Die Mönche lebten als Einsiedler und Ikonenschreiber in Höhlen. Der bekannteste der letzten Zeit war der selige Starez Pjotr. Ende der 30-er Jahre starb er im nahegelegenen Gefängnis. Letzte Zeitzeugen erinnern sich noch. Einige Kirchen befinden sich unter -, andere über der Erde. Eine besonders verehrte Marienikone ist von sechs Kugeleinschüssen der Rotarmisten durchlöchert. Heute wohnen Schwestern ganz am Ende der Anlage, in einem gewöhnlichen Haus (Kloster). Es wurde viel gebaut in letzter Zeit, damit Platz für Pilger ist.