Mittwoch, 9. Dezember 2015

Ein paar Worte zu gestern


Gern hätte ich Pater Diogenes am Tag seines 25-jährigen Weihejubiläums den Platz des Hauptzelebranten im Gottesdienst überlassen. Dass er nicht wollte, lag nicht nur an liturgischen Einwänden, wie sich gegen Ende der Feier zeigte. Der ganze Tag war ein sehr persönlicher Tag des Dankes für ihn. Am Vormittag machten wir einen Besuch bei der berühmten Ikone der Kazaner Muttergottes. Sich scheinbar sehr zu Hause fühlend, verschwand unser Priester dort in einer ruhigen Ecke gegenüber der Ikone, um zu beten. Die Zeit blieb stehen. Ich habe nicht gezählt, wie viele Pilger (und Touristen) in der Zwischenzeit an uns vorüber gingen, bevor auch Pater Diogenes an die Ikone herantrat, um sie - auf die in den Ostkirchen übliche Weise - zu verehren, und sicher auch, um Maria für seine Berufung und für Menschen auf dem Weg seiner Berufung zu danken. Am Abend kamen Mitbrüder aus Uljanowsk, Nizhnij Nowgorod, Ufa und Saratow zum Gratulieren und um gemeinsam mit dem Jubilar und der Kazaner Pfarrgemeinde Eucharistie zu feiern. Das letzte Wort vor dem Segen am Ende der Messe hatte Pater Diogenes. Er dankte, den Tränen nahe, ungespielt, für die Güte Gottes, für seine Eltern, Verwandten und Freunde. Seine eindrücklichen Worte werden vielen in Erinnerung haften bleiben. Er nannte einen Schlüsselmoment seines priesterlichen Lebens, nämlich den am Ende jedes eucharistischen Hochgebets, wenn der Priester Brot und Wein - Leib und Blut Christi in die Hände nimmt und über dem Altar hält. "Da halte ich Jesus auf meinen Händen", sagte er und fuhr fort: "aber in Wirklichkeit ist es umgekehrt. Er hält mich in seinen Händen." 
Ich schreibe diese kurzen Zeilen in einem Flugzeug, das Pilatus heißt und mich in 90 Minuten von Kazan nach Saratow bringen soll. Alle 8 Passagierplätze sind besetzt. Nach der Tour zur Bischofskonferenz, zum Mariologischen Kongress und nach Kazan, kann ich mir vorstellen, wie es zu Hause am Schreibtisch aussieht. Trotz allem bekommt der mich nur kurz zu sehen, weil ab morgen meine (in diesem Jahr: letzte) Visitation der Pfarrei in Krasnodar ansteht. Auch ich muß danken, denen, die mit mir arbeiten und denen, die mich auf vielerlei Weise unterstützen, denen, die mir Brüder und Schwestern sind. Pater Diogenes aus Argentinien ist einer von ihnen.
P.S. Statt angekündigter 90 - flogen wir 60 Minuten. Rückenwind. In Saratow kam ich noch in die "Rush hour" (Hauptverkehrszeit am Morgen, wörtlich: "Eil-Stunde"). Hab irgendwo gelesen: "Warum heißt das rush hour, wenn da doch alles steht?" Herzliche Adventsgrüße...!