Mittwoch, 27. Januar 2016

27. Januar 2016 - konkret

Der 27. Januar in Marx ist dem seligen Jurgis Matulaitis gewidmet. Da kommen und wollen wir nicht drum herum. Er hat die Schwesterngemeinschaft gegründet, der wie die Wiedergeburt der katholischen Pfarrgemeinde in Marx an der Wolga verdanken. Am heutigen Vormittag erneuerten zwei junge Schwestern in der Pfarrkirche ihre Gelübde (Versprechen, Christus in Gehorsam, Ehelosigkeit und Armut nachzufolgen) für ein Jahr. Das sind die sogenannten zeitlichen Gelübde. Beide Schwestern haben einen Hochschulabschluss in der Tasche und hätten sicher gute Chancen, sich ihr Leben nach heutigen Standards einzurichten. Ihre Entscheidung für den Weg des Ordenslebens kommt nicht aus frommer Familientradition und hat sicher viel mit "Suche" zu tun, aber - denn ohne das geht´s nicht - auch mit "gefunden haben".

Ab 16.00 Uhr reisten dann die Teilnehmerinnen des Bistumstreffens für Ordensschwestern an. Einige konnten nicht kommen, weil - wie man aus allen Gegenden des Bistums hört - viele krank sind. Eine schwere Form von Grippe hat es in die "top ten" der Nachrichtensendungen geschafft. Um es zu illustrieren, muss ich nicht weit suchen: Gegen Mittag schrieb mir die Mutter dreier Kinder aus einem armen Dorf: "Beten Sie für uns. Wir sind alle krank und fahren wahrscheinlich ins Krankenhaus." Ich rief eine Stunde später bei ihr an. Da saßen sie schon im Auto in Richtung Stadt. Auch der Vater hat Fieber. Er saß am Lenkrad. Durch SMS und Telefongespräche am Abend erfuhr ich: Der Vater ist wieder nach Hause gefahren. Jemand muss im Haus sein, auch wegen der Kuh. Die Mutter hat mit ihren drei Kindern (der Älteste ist 15 Jahre) zwei Betten im Flur des Krankenhauses bekommen. Es ist kalt dort. Die Decken sind dünn. Medizin müssen sie sich selbst besorgen. (Wir machen es morgen früh. Auch Essen für die vier bringen wir ins Krankenhaus.) Der Große hat "40" Fieber. Seine kleine Schwester, die nur "37" hat, muss sich das Bett mit ihm teilen. Die Mutter bat um einen elektrischen Wasserkocher... Klingt alles nicht wie 2016, oder?